Buchtipps der Schlossmarktbücherei
 
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8.1 Aktuelle Buchtipps 8.2  Buchtipps-Archiv


45. Kalenderwoche 2011

**NEU** Eliot Pattison: Das Auge des Raben
Der junge Schotte Duncan McCallum und der Indianer Conawago verfolgen zur Zeit der Besiedelung Amerikas eine Spur von Ritualmorden an Landvermessern.

Der junge Schotte Duncan McCallum, der als Leibeigener eines Engländers in die neue Welt Nord-amerikas gekommen ist, erlebt in diesem Buch sein zweites Abenteuer. Engländer und Franzosen kämpfen um die Vorherrschaft und um die Landnahme auf dem neuen Kontinent. Duncan streift mit seinem Lehrmeister, dem älteren Indianer Conawago, durch die Wälder. Dabei kommen sie unmit-telbar nach der grausamen Hinrichtung eines englischen Offiziers an den Tatort. An einen Baum genagelt wurde der Mann anscheinend Opfer eines Rituals. Englische Soldaten beobachten, wie Conawago sich über den Offizier beugt - eigentlich um ihm zu helfen, soweit dies noch möglich ist. Der Indianer wird verhaftet und angeklagt. Aber ein anderer Häuptling gesteht den Mord vor dem Gericht der Engländer. Nur Duncan und Conawago sind von dessen Unschuld überzeugt. Doch dann erfahren sie, dass mehrere Landvermesser auf die gleiche Weise ermordet wurden. Pattison entwirft ein großes Panorama Nordamerikas um 1760 mit teils ursprünglichen, ihren Traditionen verhafteten Indianern und anderen Ureinwohnern, die durch die eingewanderten Europäer unum-kehrbar negativ beeinflusst wurden. Auf der anderen Seite stehen Europäer, die im Einklang mit den Indianern leben wollen, wie auch Einwanderer, die bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen, um Land, Macht und Geld in ihren Händen zu vereinen. Der Roman erfordert vom Leser etwas Ein-gewöhnung in die beschriebene neue Welt. Der Leser wird mit einer spannenden Geschichte be-lohnt, deren Botschaft der Respekt vor und die Freiheit aller Menschen ist.


**NEU** Linda Stift: Kein einziger Tag
Die operative Trennung zweier über lange Jahre miteinander verwachsener siamesischer Zwillinge bringt beiden keine wirkliche Unabhängigkeit.

Der ebenso skurrile wie spannende Roman der österreichischen Autorin zwingt den Leser, sich zu vergegenwärtigen, was eine operative Trennung zweier über lange Jahre miteinander verwachsener siamesischer Zwillinge für beide bedeuten mag: Die gewaltsame Aufhebung der innigst-denkbaren Verbindung für den einen, das euphorische Erleben von Freiheit und selbstbestimmter Privatheit für den anderen. Während Paco, der dominantere der beiden Brüder, auf die operative Trennung zutiefst verstört, ja geradezu panisch reagiert, empfindet Paul, der das Zusammenleben als permanente Unterdrückung erlebt hatte, eine “ungeheure Erleichterung” (S. 36). Da Paco auch weiterhin auf hartnäckigste Weise die körperliche Nähe des Bruders sucht, weiß der sich nur durch eine regelrechte Flucht zu helfen. Nach vielen Jahren der Trennung spürt Paco seinen Bruder je-doch wieder auf und zieht unter einem Vorwand bei ihm ein. War für Paco die Zeit der Trennung eine Zeit des Leidens, so beginnt nun für Paul, aus dessen Perspektive durchweg erzählt wird, eine Zeit der Angst, der Abwehr und der Verunsicherung. An keinem einzigen Tag sind beide wirklich frei voneinander. Es zeigt sich - und dies wird tatsächlich außerordentlich authentisch und nachvoll-ziehbar geschildert -, dass beide auf jeweils andere Weise durch die quasi-symbiotische Verbindung und durch die anschließende Trennung schwerste psychische Deformationen davongetragen haben, was schließlich das ebenso spektakulär-phantastische wie makabre Ende der Geschichte plausibel erscheinen lässt. In dem schnörkellos und flüssig erzählten Roman gelingt es der österreichischen Autorin vortrefflich, die Spannung bis zum unerwarteten Finale zu steigern. Eine spannende Mischung aus Psychothriller und Liebesgeschichte!


**NEU** Jussi Adler Olsen:

"Erbarmen": Der Kopenhagener Kommissar Carl Mørck nimmt einen alten Entführungsfall wieder auf.

"Schändung": Der zweite Fall von Carl Morck, Sonderdezernat Q.

"Erlösung": Dritter Fall des Sonderdezernats Q um Carl Mørck: Eine alte Flaschenpost führt zu einem Serienmörder.

In Schottland wird eine Flaschenpost an Land gespült, die Jahre vorher von Dänemark aus auf die Reise ging: ein Hilferuf zweier Kinder in der Hand eines Entführers. Carl Mørck und sein Team nehmen die Spur auf und finden einen Zusammenhang mit aktuellen Entführungen, die sich im Mili-eu freikirchlicher Sekten ereigneten. - Wie üblich lässt sich der Autor (zuletzt: “Schändung”) alle Zeit bei der Entwicklung seines Plots, bis es zum harten Showdown kommt. Für Spannung ist also ge-sorgt, bekommt der Leser doch hautnah mit, wie für die aktuellen Opfer langsam aber sicher die Uhr abläuft. Nebenher gibt es wieder sehr humorvolle Passagen, denn Carl Mørck und seine Cha-ostruppe werden natürlich auch weiterentwickelt. Die beiden Vorläufer sind zwar nicht unbedingt Voraussetzung zum Verständnis, aber allemal genauso lesenswert wie dieser Titel!


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




41. Kalenderwoche 2011

**NEU** Rebecca Chace: Abschied von Rock Harbor
Erst nach vielen Jahren findet die Liebe zwischen Frankie und ihrem Jugendfreund Joe endlich Erfüllung.

Im Jahr 1916 lebt die 15-jährige Frankie mit ihrer Familie in Rock Harbour, Neuengland. Ihr Vater arbeitet in einer Baumwollfabrik. Strenge Grenzen bestehen zwischen Einwanderern und Alteinge-sessenen, Arbeitern und Fabrikanten. Nur der ehrgeizige Portugiese Joe Barros und sein bester Freund Winston Curtis, Sohn eines reichen Unternehmers und Politikers, verstoßen gegen das un-geschriebene Gesetz. Beide freunden sich mit Frankie an, beide verlieben sich in sie. Frankie ent-scheidet sich für Winston, doch die Ehe wird nicht glücklich und beide müssen viele Schicksals-schläge und die verheerende Weltwirtschaftskrise verkraften. Erst 1934, nach dem Tod von Frankies Vater, kehrt Joe nach Rock Harbour zurück und bietet Frankie einen Weg in die Zukunft. - Der warmherzige Liebesroman, der auch Frankies Entwicklung vom unbedarften Mädchen zur en-gagierten Frau erzählt, wird als gute Unterhaltung gern empfohlen.


**NEU** John le Carré : Verräter wie wir
Spionagethriller über Geldwäsche, Russen-Mafia und korrupte Schurken.

Urlaub auf der karibischen Insel Antigua. Hier lernt das britische Paar Perry und Gail den schwer-reichen Russen Dima und seine Familie kennen. Es stellt sich heraus, dass Dima der Boss eines mächtigen Geldwäschesyndikats ist. Doch er hat starke Rivalen, die ihm nach dem Leben trachten. Um ihnen zu entkommen, will sich Dima absetzen. Für seine Pläne wählt er Perry als Mittelsmann zum britischen Geheimdienst aus. Dimas Angebot: umfangreiche Informationen für einen sicheren Aufenthalt in England. - Russische Mafia, Geldwäsche, korrupte Politiker - Le Carré hat ein span-nendes, aktuelles Terrain für seinen neuen Agenten-Roman gewählt. Das Thema verspricht Action, die jedoch nicht immer zündet. Vor allem die ersten Kapitel sind schwer verdaulich: zu viele langat-mige, teils schwülstige Beschreibungen. Dann gewinnt die Geschichte jedoch an Fahrt, sodass sich die vielen Le-Carré-Fans auf einen spannenden Schmöker mit zahlreichen gesellschaftskritischen Seitenhieben freuen dürfen.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




40. Kalenderwoche 2011

**NEU** Majgull Axelsson: Eis und Wasser, Wasser und Eis
Wurzeln in Susannes Familiengeschichte.

Susannes Leben ist voller Brüche: ihre Mutter Inez hatte Björn, den Sohn ihrer Zwillingsschwester aufgezogen, weil diese ihn nicht wollte. Nur um ihm eine komplette Familie zu bieten, heiratet sie und bekommt Susanne, die ihr aber nicht wichtig ist. Diese hat eine enge Verbindung zu Björn, wird aber oft nur über ihn wahrgenommen, vor allem, als er Star einer erfolgreichen Boygroup wird. Nach einem demütigenden Vorfall bei einem Auftritt verschwindet Björn spurlos. Viele Jahre später nimmt Susanne, inzwischen Krimiautorin, an einer wissenschaftlichen Expedition ins Nordmeer teil. Ein Unbekannter bedroht sie und erst spät erkennt sie, dass dieser mit ihrer Vergangenheit verbunden ist. Der Leser erfährt all dies in Rückblenden, in denen langsam deutlich wird, wie sehr Björns Verschwinden Susanne beeinflusst hat. - Der interessante Frauenroman, der Susannes nie einfa-ches Leben und ihre ungewöhnliche Familiengeschichte erzählt, wird breit empfohlen.


**NEU** Mark Watson: Elf Leben
Vom schwierigen Versuch, mit einer großen Schuld zu leben.

Seit ihrer Schulzeit waren sie ein unzertrennliches Quartett: Chris, Mathilda, Russel und Bec. Russel und Bec heirateten, später beschlossen auch Chris und Mathilda, ihr Leben gemeinsam zu gestalten. Als Bec endlich ein Sohn geboren wurde, war die Freude groß. Chris übernahm eines Abends das Babysitting und durch ein tragisches Unglück fiel das Baby zu Boden, musste reanimiert werden und erlitt einen Gehirnschaden. Dadurch wurde die innige Verbindung der Freunde zerstört. Geplagt von Schuldgefühlen verließ Chris Australien, wanderte nach England aus, änderte seinen Namen und fand eine Stelle für eine Nachtsendung bei einer Rundfunkgesellschaft. Er hat ein besonderes Talent, Anrufer, welche sich mit ihren Sorgen und Problemen meldeten, gute und treffende Ratschläge zu erteilen, so dass seine Sendung immer beliebter wird. Sein Weg wird von Menschen gekreuzt, die er oft nicht kennenlernt, deren Schicksale aber mit ihm verbunden sind. In der Nachbarwohnung wohnt eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren Problemen nicht fertig wird. Chris, der inzwischen Xavier heißt, versucht immer wieder zu helfen. Als es eines Tages unten an der Haustür klingelt, entwischt der kleine Jamie und rennt auf die Straße, wo ein betrunkener Auto-fahrer des Weges kommt. Xavier läuft spontan hinterher, rettet Jamie und wird von dem Auto er-fasst. - Eine gelungene Verflechtung von unterschiedlichen Lebenslinien! Ein spannendes und emp-fehlenswertes Buch.


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39. Kalenderwoche 2011

**NEU** Uwe Tellkamp: Der Turm
Lyrisch-melancholischer Roman über das Leben in den letzten Jahren der DDR.

Spitzeleien, Essensrationierungen und Ausreiseanträge, von all dem haben die Bewohner des Turms die Nase voll. Sie flüchten sich lieber resigniert in ihren Elfenbeinturm und ergehen sich in ihrer Vorstellung eines früheren, bildungsbürgerlichen Dresdens, das längst der Geschichte angehört. Und doch geraten sie immer wieder in den Konflikt zwischen Aufbegehren und Anpassung: Da wäre Richard, verheirateter Chirurg und Vater zweier Söhne, dessen Affäre und uneheliches Kind ihn für die Stasi erpressbar machen; Meno, der als Lektor in einem bibliophilen Verlag literarische Freiheit zu finden versucht, doch immer wieder von der Zensur eingeholt wird; oder Christian, der eigentlich wie sein Vater Medizin studieren wollte, sich deshalb jedoch für drei Jahre bei der NVA verpflichten muss, wo er die ganze Härte des Systems zu spüren bekommt. Sie alle tragen irgendwie dazu bei und treiben letztlich doch machtlos auf die große Wende zu, als 1989 die Mauer fällt und das Leben wie sie es kannten, beendet. - In episch-lyrischer Sprache entführt Uwe Tellkamp in das ehemalige Dresden, wo er die Lebensläufe dreier Generationen teils in nostalgischer, teils kritischer Sichtweise verfolgt. Rührende Erinnerungen an Pittiplatsch und Spreewaldgurken reihen sich neben Stasispitzelei und Restriktionen. Lebensnah und einfühlsam wird der Leser auf beinahe tausend Seiten Zeuge der Zeit vor der großen Wende. Ein wirklich eindrucksvolles Werk über die deutsche Geschichte, unbedingt lesenswert! Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2008.


**NEU** Monika Bittl: Die Expedition
Fünf wagemutige Frauen überqueren im Dezember 1903 mit Schlittenhunden die Alpen und erregen großes Aufsehen.

Ludmilla Walter langweilt sich in ihrem bürgerlichen Leben und fühlt sich durch die Grundsätze ihres Mannes, eines Münchner Kaufmanns, eingeengt. Sie gönnt sich ihre “Freizeiten” mit Likör. Eines Tages trifft sie in einem Lokal auf die Malerin Henny und unterbreitet ihr durch zahlreiche Gläser Hochprozentiges ermutigt, den Plan einer gemeinsamen Alpenüberquerung. Henny sieht darin die Chance ihres Lebens und so beginnen die Planungen. Zu ihnen stoßen noch die Wissenschaftlerin Adele, Ludmillas Hausmädchen Rosa und die englische Ärztin Emily. Als die Frauen von Garmisch aus aufbrechen, haben alle Geheimnisse im Gepäck, die den Erfolg der Reise gefährden können. Emily hat ihren Mann und einen neugierigen Journalisten ermordet, Adele leidet unter Wahnvorstel-lungen, Henny liebt ihre Freiheit und hält nicht viel von Treue, Ludmilla hat etliche Fässer Hochpro-zentiges mitgebracht und Rosa ist schwanger. Die harte Expedition, die in einem Lawinenabgang, bei dem die Frauen fast alles verlieren, gipfelt, endet vorzeitig. Sie begeben sich in die rettende Obhut eines Bauern. Nur Emily wählt einen anderen Weg. - In dem abwechslungsreichen Roman mit häufigen Perspektivwechseln kommen die Protagonistinnen abwechselnd zu Wort. Zu einer Zeit, als Frauen noch sehr wenige Rechte haben, widersetzen sich die Abenteurerinnen allen Einwänden. Die Expedition hat sie gestärkt und zusammengeschweißt. Sie schlagen unterschiedliche und erfolgreiche Laufbahnen ein. Ein unterhaltsamer und spannender Roman.


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38. Kalenderwoche 2011

**NEU** Elia Barceló: Töchter des Schweigens
Ein Todesfall in ihrer Jugendzeit wird sieben Frauen nach Jahren zum Verhängnis.

Sieben Freundinnen sind in einer spanischen Kleinstadt gemeinsam zur Schule gegangen und haben wie in einer Clique üblich alle Erfahrungen des Erwachsenwerdens miteinander geteilt. Während ihrer letzten Klassenfahrt geschieht etwas, das sie alle miteinander schuldig werden lässt. Lange als Unglücksfall verbucht, wird das Schreckliche nach Jahren bei einem Treffen in ihrem Heimatort wieder lebendig. Als eine der Freundinnen tot aufgefunden wird, führt kein Weg an der Aufarbeitung mehr vorbei. - Ein spannender Roman, der weniger in den Kriminalbereich als vielmehr in die “Beziehungsgeschichten” hinein gehört. Der Wechsel in der zeitlichen Ebene zwischen Jugendzeit und Gegenwart führt unaufhaltsam und gekonnt sparsam an die Auflösung heran. Im Wesentlichen geschieht das durch die hervorragende Beschreibung der Charaktere und Beziehungen, die sich zwischen den Mädchen damals und nun den erwachsenen Frauen ergeben und ihre eigne Dynamik entwickeln. Sehr empfohlen!


**NEU** Lucie Whitehouse: Dunkle Brandung
Spannend düsterer, bildreich erzählter Thriller über eine junge Frau, die sich vor ihrem psychopa-thischen Exfreund auf eine einsame Insel rettet - scheinbar.

Hals über Kopf hat Kate London verlassen, um sich auf der Isle of Wight erst einmal aus der eisigen Umklammerung zu lösen, die ihr Exfreund Richard um sie gezurrt hat. Niemandem hat sie davon erzählt, sowohl ihre Rückkehr an den Ort, wo sie einst glückliche Kindheitstage mit ihrem Vater ver-bracht hat, noch welche Untiefen sich in ihrer Beziehung zu dem erfolgreichen Mann verborgen haben, mit Ausnahme ihrer besten Freundin Helen. Doch Erinnerungen schwappen auch in ihrem gemieteten Cottage auf der Insel immer wieder hoch und drohen sie mitzureißen. Auslöser der Er-innerungen ist immer wieder der Gedanke an die junge Frau, die seit Kates Ankunft vermisst wird. Doch so wie die Suche nach jener Frau, die angeblich Selbstmord begangen hat, verebbt, so findet auch Kate wieder einen Weg zurück ins Leben, beginnt zu arbeiten, findet neue Freunde und Liebe - ausgerechnet der Ehemann der Vermissten. Und als sie endlich glaubt, sich von Richards Fesseln losgelöst zu haben, schnüren sich seine perfide gesponnenen Fäden immer enger um ihre Kehle… - Bildreich, wortgewandt und spannend nimmt Lucie Whitehouse den Leser mit in die Gedanken- und Gefühlswelt der verängstigten, enttäuschten und doch mutigen Protagonistin. Nur in Kates Er-innerungen erfährt der Leser die Geschichte um Richard und seinen wahren Charakter, was teils Spannung, teils gewisse Längen erzeugt. Umso rasanter gestaltet sich letztlich der Showdown, der leider nach 2/3 des Buches vorhersehbar und unerfreulich kurz abgehandelt wird. Dennoch dank der bildhaften Sprache und packenden Erzählweise ein aufregender Lesegenuss.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




37. Kalenderwoche 2011

**NEU** Jürgen Petschull: Der fünfte Schatten
Ein fesselnder Krimi rund um historische Ereignisse in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

Im Sommer des Jahres 1993 soll der Golfplatz des Clubs in Herrensee erweitert werden. Bei Bag-gerarbeiten findet man das Wrack eines amerikanischen Bomberflugzeugs. Parallel erfährt der Le-ser von den letzten Stunden des Flugzeugs und dem Schicksal seiner zehnköpfigen Besatzung. Dieser Fund löst in amerikanischen Zeitungen ein großes Echo aus. Der deutsche Medienmogul Malte von Merlin beauftragt einen ehemaligen Reporter, Jonas Anders, der mit seiner Tochter be-freundet ist, und seinen Sicherheitschef, einen ehemaligen Kriminalkommissar, die Hintergründe von aktuellen Morden aufzuklären, die mit dem wiedergefundenen Bombenflugzeug zusammen zu hängen scheinen. Immer deutlicher wird, welches schreckliche Verbrechen in den letzten Kriegsta-gen rund um die amerikanische Fliegerbesatzung geschehen ist. Immer deutlicher wird, dass der Hausherr des Schlosses Herrensee, zu dem auch der Golfclub gehört, in diese Vorgänge verwickelt war. - Ein Roman, der sehr schnell fesselt und dann nicht wieder loslässt. Der geschichtliche Zu-sammenhang mit den Endtagen des Nationalsozialismus wird nicht aufdringlich, sondern recht sachlich serviert. Ein durch und durch logisch aufgebauter Krimi, der jeden Leser dieser Literatur-gattung fesseln wird.


**NEU** Anita Shreve: Weil sie sich liebten
Eine jugendliche Ausschweifung im Alkoholrausch verändert schicksalhaft das Leben vieler Men-schen.

Mike Bordwin, Chef des Avery Colleges, ahnt nicht, dass eine Videokassette sein ganzes Leben verändern wird. Doch als er die verschreckenden Bilder darauf sieht, ändert sich alles. Auf dem Band vergnügen sich drei Schüler seiner Schule mit einer Minderjährigen. Sehr zu Mikes Leidwesen befindet sich unter diesen auch Silas, mit dessen Leben sein eigenes schicksalhaft verbunden ist. Nach einem Autounfall half Silas’ Familie Mike und war seitdem mit Mike gut befreundet. Silas war bisher nur als aufrichtiger und fleißiger Schüler bekannt. Nach der Weitergabe des Bandes setzt Silas seinem Leben aus Verzweiflung ein Ende. Da Mikes Affäre mit Silas’ Mutter die ganze Katastrophe erst in Gang setzte, stürzt auch Mike in tiefe Schuldgefühle und auch sein Leben ändert sich für immer. - Anita Shreve erzählt dieses Drama nicht geradlinig, sondern aus der Sicht von unterschiedlichen Personen und auch mit Zeitsprüngen. Auch scheinbar unbeteiligte Personen ge-ben ihre Meinung zum Geschehen kund und zusammen ergibt sich für den Leser ein erschütterndes und fesselndes Bild, wie ein einziger Abend das Leben vieler Menschen für immer verändern kann. Ein kluger, ungewöhnlicher Roman, der dem Leser lange in Erinnerung bleibt!


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36. Kalenderwoche 2011

**NEU** Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
Das Schicksal eines Berliner Ehepaars, das einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis wagt und 1943 hingerichtet wird.

Was für eine Wiederentdeckung: die Urfassung von Hans Falladas Roman über ein Berliner Ehe-paar im Widerstand gegen das Nazi-Regime. “Jeder stirbt für sich allein” ist ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg niedergeschrieben worden - es sollte Falladas letztes Buch sein und es ist viel-schichtig, spannend und authentisch. Für die Veröffentlichung in der Nachkriegszeit wurde der Text bearbeitet: Nebenhandlungen wurden gerafft, einige Figuren wurden eindimensionaler. Die nun vorliegende Neuausgabe ist ein Geschenk. Die Charaktere sind schillernd und der Leser hat auto-matisch eine Meinung über sie: Sie sind wie gute Bekannte, die einem ein Geheimnis anvertrauen. Nach dem Tod ihres Sohnes verteilen Anna und Otto Quangel Flugblätter und Postkarten in Berlin, die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen. Nach fast 700 Seiten legt man den Roman fast enttäuscht aus der Hand, so sehr sind einem die beiden ans Herz gewachsen. Für alle geeignet und wärmstens empfohlen!


**NEU** Carla Buckley: Die Luft, die du atmest
Eine globale Katastrophe und ihre Auswirkungen auf das öffentliche und private Leben aus der Sicht einer Familie in den USA.

Ein Vogelsterben großen Ausmaßes erregt weltweit die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern. Gleichzeitig sterben immer mehr Menschen an einer besonders schweren Form von Grippe. Bald schon bestätigt sich der Verdacht, dass es sich um ein mutiertes Virus der Vogelgrippe handelt. Eine Pandemie bricht aus, die sich von Asien nach Europa und schließlich auch in die USA ausbreitet, bis in die kleine Stadt in Ohio, in der die handelnden Personen dieses Romans leben. Seit einem Jahr lebt die Lehrerin Ann nach der Trennung von ihrem Mann Peter, der sich berufsbedingt mit der Mutation von Viren beschäftigt, mit ihren beiden Töchtern alleine und hat ihr Leben so einigermaßen im Griff. Die Sorge um die Familie und die verhängte Quarantäne bringen Peter wieder zurück nach Hause. Die Situation spitzt sich zu, als Lebensmittel und Benzin knapp werden und ein Schneesturm die Stromversorgung für lange Zeit lahmlegt. - Beeindruckend geschrieben, sehr spannend und beängstigend durch die Realitätsnähe einer jederzeit auch bei uns möglichen Katastrophe, zumal dieses Thema immer wieder in der Presse auftaucht.


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31. Kalenderwoche 2011

**NEU** Francesca Melandri: Eva schläft
Liebesgeschichte zwischen einer Südtirolerin und einem Süditaliener, eingebettet in die Geschichte Südtirols im Kampf um die Autonomie.

Hermann Huber hat in den 30er und 40er Jahren viele Demütigungen von den italienischen Fa-schisten, den Nationalsozialisten und nach dem Krieg auch von den eigenen Landsleuten erfahren. Sein Optieren für Nazideutschland und das tragische Scheitern dieser unseligen Entscheidung mit der Rückkehr in seine Heimat verbittern ihn über alle Maßen. Darunter leiden Frau und Kinder. Die bildhübsche Tochter Gerda nimmt als Sechzehnjährige die Arbeit als Hilfskraft in der Küche eines Meraner Hotels auf. Als sie mit achtzehn Jahren, im Stich gelassen von ihrem Liebhaber, mit ihrem Kleinkind wieder zu Hause auftaucht, wirft sie ihr Vater rüde aus dem Haus. Aber Gerda findet für ihre Tochter Eva bei Verwandten eine Unterkunft und arbeitet sich in dem Hotel im Verlauf vieler Jahre bis zur Chefköchin hoch. In all den Jahren gibt es eine Reihe von Männern, die Gerda aber nicht liebt; sie will sich, verbittert und enttäuscht, überhaupt nicht mehr verlieben. Doch dann macht sie eines Tages die Bekanntschaft des Unteroffiziers Vito Anania, der sie wegen ihres Bruders ver-nimmt, der von der Polizei als einer der Bombenleger gesucht wird, die die Autonomie der Provinz Südtirol mit Gewalt erreichen wollen. Gerda und Vito werden ein Liebespaar und Eva sieht in diesem freundlichen Mann in Mamas Leben so etwas wie einen Vater, endlich einen Vater, den sie immer so vermisst. Doch die Widerstände sind groß ... - Ein Roman mit außergewöhnlich reichem Inhalt; reich an starken Gefühlen, reich an Personen, an Nostalgie, an Hoffnung und v.a. an Geschichte. Es ist erstaunlich, wie die italienische Autorin die Befindlichkeiten der Südtiroler erkennt, wie sie die Situation während der unseligen Bombenjahre nacherzählt. Die Sprache ist eindrucksvoll mit literarischen Ansprüchen. Dieser bewegende Romanerstling verdient sehr viele Leser.


**NEU** Carlos Ruiz Zafón: Marina
Eine fantastische Horror- und Liebesgeschichte

Wer diesen frühen Roman (schon 1999 in Barcelona, der Heimatstadt des Dichters, erschienen und nun von Peter Schwaar übersetzt) des mittlerweile bekannten spanischen Bestsellerautors liest, findet sich an der Seite des jugendlichen Helden wieder im “verzauberten Barcelona ..., dem Laby-rinth der Geister” (S. 227). Es ist eine gruselig-phantastische Geschichte, in deren Zentrum ein vom Schicksal reichlich heimgesuchter Mann steht, der es sich zum Ziel gesetzt hat, “das große Sakrileg der Schöpfung zu umgehen” (S. 270), und den Tod zu überlisten. Es gelingt ihm mithilfe eines ge-heimnisvollen Serums, sein Leben immer weiter zu verlängern und mit grausigen Operationen schafft er sich ein Heer von schaurigen Lemuren, aus Leichenteilen und Apparaturen zusammen-gesetzten künstlichen Zwischenwesen, die in Barcelonas Abwasserkanälen, auf Friedhöfen und in finsteren Ruinen hausen. Der Ich-Erzähler, ein junger Internatszögling, wird durch die tragische Liebe zu einem jungen Mädchen in den Strudel dieser gespenstischen Vorgänge hineingezogen. In einem gewaltigen Brand des “Teatro Real” endet der unselige Forscher und mit ihm seine unglückliche Ehefrau und alle seine finsteren Kreaturen. Auf allzu wundersame Weise entgehen der Held und seine Freundin dem gleichen Schicksal. Aber am Ende stirbt auch Marina, die große romantische Liebe des Helden. - Auch Fantasy verlangt ein gewisses Maß an Plausibilität. Dessen scheint sich der Autor nicht immer bewusst gewesen zu sein. Und so mag man es eher für einen Werbegag halten, wenn er das Buch im Vorwort “als einen meiner Lieblinge” bezeichnet. Es ist “nur” eine recht spannend erzählte Horror- und Liebesgeschichte, ohne Happy End und ohne großen literarischen Anspruch. Eine leichte Lektüre für alle.


**NEU** Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen
Das umstrittene Bauprojekt “Stuttgart 21” als Roman.

Der vielfach ausgezeichnete Krimiautor Heinrich Steinfest, eigentlich Österreicher, aber seit vielen Jahren in Stuttgart ansässig, hat das Geschehen rund um das kontroverse Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 literarisch verarbeitet. Steinfest ist selbst in der Bürgerbewegung aktiv engagiert, aber sein Buch ist - Gott sei Dank - weder ein Stück Protestliteratur, noch eine simple Verarbeitung lokaler Geschehnisse geworden, sondern, wo Steinfest draufsteht, ist tatsächlich auch ein echter Steinfest drin, wie ihn seine Fans mögen: skurril, grotesk, satirisch, wortakrobatisch, mit Sätzen, die voll ins Mark treffen. Einfach lesen und genießen!


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30. Kalenderwoche 2011

**NEU** Sarah Waters: Der Besucher
Landarzt Dr. Faraday verfällt mehr und mehr dem morbiden Charme des Herrensitzes Hundred Halls und seiner Bewohner, mit schrecklichen Konsequenzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfällt der englische Herrensitz Hundred Halls der Familie Ayers zu-sehends. Das liegt zum einen an der klammen finanziellen Situation, aber auch an den desolaten familiären Verhältnissen. Der Sohn und Erbe Roderick leidet an den Folgen seiner Kriegsverletzun-gen, Tochter Caroline wird allmählich zur alten Jungfer und Mrs. Ayers trauert alten, glanzvollen Zeiten hinterher. Der Zufall führt den Landarzt Dr. Faraday in das Haus und er erliegt sofort der An-ziehungskraft des Anwesens, auf dem sich merkwürdige und unerklärliche Vorkommnisse häufen. Sind Rodericks häufige Unfälle auf seinen zerrütteten Geisteszustand zurückzuführen oder trachtet ihm jemand nach dem Leben? - Ganz in der Tradition der viktorianischen Schauerromane erzählt die englische Autorin Sarah Waters ihre haarsträubende, düstere Version vom Niedergang einer Epoche. Dabei vermischt sie gekonnt Gesellschaftskritik mit Krimielementen, spürt den Diskrepan-zen zwischen niederem Landadel und dem aufstrebenden Kleinbürgertum in der Nachkriegszeit nach und erschafft mit ihrem Ich-Erzähler Dr. Faraday eine Hauptperson, die zwischen allen Stühlen sitzt. Für Liebhaber ruhig erzählter und dennoch spannender Gesellschaftsromane ein Muss!


**NEU** Flavia Company: Die Insel der letzten Wahrheit
Mitreißende Geschichte um ein mysteriöses Erlebnis eines Schiffbrüchigen.

Als arrogant und verschlossen klassifiziert Phoebe Westore den ehemaligen Arzt und Professor Matthew Prendel, als sie diesen auf einer Feier kennenlernt. Es ist der Beginn einer langjährigen Liebesbeziehung, in der Prendel ihr als einziger Person sein düsteres Geheimnis anvertraut und zugleich das bedeutende Ereignis, mit dem sein Leben auf den Kopf gestellt wurde: Den Piraten-überfall auf sein Segelboot ein paar Jahre zuvor, bei dem seine besten Freunde ums Leben kommen und er selbst tagelang ohne Halt auf dem Wasser treibt und zu verdursten droht. Er ist bereits bewusstlos, als er von Nelson Souza, einem der Piraten, auf für ihn unerklärliche Weise gerettet und von diesem auf eine unbewohnte Insel gebracht wird. Nach Prendels Genesung teilt Souza die Insel in zwei Territorien ein, wobei er Prendel auf den Tod verbietet, seines zu betreten, und macht sich anschließend davon. Der Schiffbrüchige hält sich an den Befehl, da der andere - im Gegensatz zu ihm selbst - bewaffnet ist; lange weiß er nicht, was er von seinem Helfer und Feind zugleich halten soll. Doch bald schon sucht ihn seine ärgste Feindin, die Einsamkeit, auf, die ihn, ebenso aber den Piraten, auf eine harte Probe stellen wird. Ob sie endlich ihr gegenseitiges Misstrauen überwinden werden, um die Einsamkeit gemeinsam zu besiegen, das lässt Company fast bis zum Ende hin offen. - Spannend und die quälende Langsamkeit minutiös beschreibend lässt Company den Erzäh-ler teilhaben an einer mitreißenden Geschichte, die zum Mitfühlen und Nachdenken anregt.


**NEU** Stanislas Dehaene: Lesen
Was geschieht im Gehirn, wenn wir lesen?

Der renommierte französische Kognitionswissenschaftler Stanislaus Dehaene hat sich dieser Fragen angenommen und ist dabei zu interessanten Einblicken gelangt: So werden mithilfe des “neuronalen Recyclings” Schaltkreise im Gehirn, die ursprünglich zur Objekterkennung gedacht waren, für das Lesen wiederverwendet. Man sagt, Bücher hätten die Kraft, die Welt zu verändern, dieses Buch wird zumindest Ihren Blick auf das Lesen nachhaltig verändern!


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25. Kalenderwoche 2011

**NEU** Wolfgang Herrndorf: Tschick
Road Novel: Wolfgang Herrndorfs herrliche Groteske über einen jugendlichen Ausreißer.

Die besten Abenteuergeschichten sind Ausreißergeschichten. Tom Sawyer und Holden Cowfield verlassen ihr Zuhause, um erwachsen zu werden, Risiken und Nebenwirkungen inklusive. Auch Wolfgang Herrndorfs Held Maik Klingenberg, Gymnasiast, Berliner, vierzehn Jahre, ist auf dem Sprung, weil er weder im familiären noch im schulischen Netzwerk Halt findet. Die Mutter soll auf einer “Schönheitsfarm” von ihrer Alkoholabhängigkeit geheilt werden, der Vater geht mit seiner jun-gen Assistentin auf “Geschäftsreise”. Maik, den seine Mitschüler für einen Langeweiler und Feigling halten, durchschaut die Erwachsenenlügen. Sein Weggefährte zur Wahrheit heißt Tschick, mit rich-tigem Namen Andrej Tschischaroff, ein Russlanddeutscher aus Rostow, dessen Familie durch Ost-europa verstreut ist, und nicht gerade das Musterbeispiel für gelungene Integration. Mit einem ge-klauten Lada beginnt die Ausreißertour Richtung Walachei, die Stationen sind Müllkippen, freundli-che Großfamilien, ein schießwütiger Rentner, eine schwergewichtige Sprachtherapeutin, alles übri-gens in Deutschland. Das Ende ist hart und rau, aber auch wiederum humorvoll genug, um diese Geschichte vom Ausleben und Aufbrechen der Jugend mit etwas Hoffnung enden zu lassen. Wie, das sollte der Leser nach einer höchst vergnüglichen Lektüre selbst erfahren. Das Rezept dafür aber bedarf keiner Geheimhaltung: Herrndorf versteht es, die schnoddrige Jugendsprache ohne Peinlichkeiten und Anbiederung punktgenau, glaubwürdig, faszinierend vor allem in den Dialogen zu treffen. Ein wunderbares, ein anrührendes Buch!


**NEU** Lukas Hartmann: Finsteres Glück
Einer erfahrenen Kinderpsychologin fällt es schwer, die notwendige Trennung zwischen Einfühlung und Abgrenzung einzuhalten.

Hektisch, ohne Redepause berichtet der vor wenigen Stunden in ein Berner Krankenhaus eingelie-ferte Yves über einen Familienausflug. Unter Schock stehend, erzählt er von seinen Eltern sowie von seinen zwei Geschwistern und verdrängt, dass er als einziger den sich auf der Rückfahrt ereig-neten schweren Verkehrsunfall überlebt hat. Der zu Hilfe gerufenen, auf die Betreuung traumatisier-ter Kinder spezialisierten Psychologin Eliane Hess ist bewusst, dass viel Zeit vergehen wird, ehe der Achtjährige weinen und trauern kann. Im Zusammenhang mit dem Unfall drängen sich ihr Fragen auf: Was ist dem Unglück vorausgegangen? Hat es Streit gegeben? Handelt es sich gar um einen vom Vater geplanten Suizid? - Die vom Schweizer Schriftsteller Lukas Hartmann porträtierte Ich-Erzählerin überwacht nicht nur die Reaktionen des sich zunehmend in Phantasiewelten flüchtenden Jungen, sondern versucht, in dessen sozialem Umfeld Antworten zu finden. Je intensiver sie sich mit den zum tragischen Ereignis führenden Umständen auseinandersetzt, umso stärker fühlt sie sich als mütterliche Freundin zu Yves hingezogen. Wenn Lukas Hartmann seinen chronologisch aufgebauten, authentisch wirkenden Roman zu einem mit Erlösung gleichzusetzenden Finale führt, entlässt er emotional bewegte Leser, für die die erzählte Geschichte den Sieg des Lebens über einen tragischen Verlust symbolisiert.


**NEU** Bertram Brökelmann: Die Spur des Öls
Die Bedeutung des Öls in Geschichte und Gegenwart.

In dieser spannenden und umfassenden Darstellung zeichnet der Besitzer einer der größten deut-schen Speiseöl-Raffinerien die entscheidenden Wegmarken in der Nutzung des Öls vom Olivenöl in den Lampen der Antike bis zu den Ölkrisen der Gegenwart und den energetischen Herausforderun-gen in der Zukunft. Die breit gespannte Palette umfasst neben der Entdeckungsgeschichte des Erdöls den Aufbau der Ölkonzerne, die Exploration der Ölfelder im Iran, Irak und auf der arabischen Halbinsel, die Bedeutung und den Einfluss des Öls auf die Entscheidungen im Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Spannungen, Konflikte und Kriege um den Schmierstoff der Weltwirtschaft und die Entwicklung der OPEC. Immer wieder analysiert er dabei die politischen und wirtschaftlichen Inte-ressen der Großmächte und richtet zum Schluss den Blick auf die Ölsituation in Deutschland, auf die weltweiten Ölreserven, auf den Klimawandel und die Notwendigkeit, sparsamer mit dieser fossilen Energie umzugehen. Mit den detaillierten Kenntnissen und dem kritischen Blick des Autors, der über das Öl hinaus denkt, ist das gut zu lesende Buch sehr zu empfehlen.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




24. Kalenderwoche 2011

**NEU** Akif Pirincci: Felipolis
Kater Francis und sein Anhang haben wieder einmal nachgerade mörderische Abenteuer zu bestehen.

Als Francis auf die liebreizende Domina, eine junge Katzendame, trifft, ist es um ihn geschehen. Mit seiner Partnerkatze Sancta ist er derzeit eh’ über Kreuz, weshalb soll also nicht eine junge, bild-schöne neue Gefährtin her? Aber Francis übt sich in Selbstbeherrschung; schließlich will er ja gera-de Domina vor allerlei Unbill beschützen. Sie hat nämlich von ihrem kürzlich verstorbenen Frauchen ein Milliardenvermögen geerbt und sieht sich nun allerlei Gefahren ausgesetzt. Das menschliche Umfeld der reichen Verstorbenen will sich mit so einem Testament schließlich nicht abfinden. Fran-cis macht gleich mal Bekanntschaft mit einem der Bösewichte und bezahlt dieses Treffen beinahe mit dem Leben. Allerdings lauern die Gefahren nicht nur im menschlichen Umfeld. Da gibt es auch in Katzenkreisen allerlei wunderliche und bedrohende Kreaturen, die sich auf das Erbe freuen und einen Katzenstaat ohne Menschen, nämlich Felipolis, errichten wollen ... - Ein gefälliger Katzenkrimi in des Autors bewährter Manier. Auffällig sind die Anleihen u.a. bei James Bond- und Clint East-wood-Filmen und wohl auch George Orwell (Farm der Tiere). Letztendlich haben diese Geschichten sicher ein besonderes Lesepublikum und diesem Personenkreis ist die Geschichte durchaus zu empfehlen.


**NEU** Laurence Cossé: Der Zauber der ersten Seite
Eine Gruppe Pariser Autoren, die gute Romane fördern wollen, werden unerklärlicherweise bedroht und attackiert.

Kurz hintereinander werden drei Menschen angegriffen, die absolut harmlos und noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Alle drei sind Autoren und gehören einem geheimen Komitee an. Einziger Zweck dieses Komitees: die Auswahl von Büchern für eine außergewöhnliche Buchhand-lung: “Zum guten Roman”. Zwei leidenschaftliche Leser haben diese Buchhandlung gegründet, um sich von jeglichem Mittelmaß abzugrenzen. Zusammen mit Kommissar Heffner wollen sie heraus-finden, wer ein Interesse hat, den “guten Roman” (und damit die beiden Inhaber) zu vernichten. - Es kommt nicht so oft vor, dass einen ein Buch von der ersten Seite an gefangen hält, man es überall-hin mitschleppt, um in jeder freien Sekunde zu lesen. Aber der “Zauber der ersten Seite” hält, was sein Titel verspricht. Dazu wunderbar charakterisierte Figuren, lebendig und spannend geschrieben, mit vielen Literaturtipps, die zum Entdecken anregen. Bereits mit ihren Büchern “Der 31. Tag des Monats August” und “Der Beweis” hat Laurence Cossé auch außerhalb Frankreichs viele Anhänger gefunden. Wie “Le Figaro” über das Buch sagte: “Eine Hymne auf das Lesen!” Unbedingt empfeh-lenswert!


**NEU** Loki Schmidt: Das Naturbuch für Neugierige
Loki Schmidt (1919-2010) erzählt von ihrer großen Liebe zur Natur.

Loki Schmidt hat schon als Kind die kleinen Wunder in den Vorgärten studiert, ihre Liebe zur Natur als Lehrerin ihren Anempfohlenen weiterzugeben versucht und sich politisch in der von ihr gegrün-deten “Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen” eingesetzt. In diesem Werk - ihrem Vermächtnis, das kurz vor ihrem Tod herausgekommen ist - erzählt sie liebenswürdig und sehr persönlich von ihren Entdeckungen in der heimatlichen Umgebung und in der weiten Welt. Zusammen mit den eher wissenschaftlichen Erklärungen des Biologen Lothar Frenz (*1964) entstehen so kleine Erzäh-lungsperlen über Themen, die um bestimmte Blumen kreisen, aber auch Erscheinungen der sonsti-gen Lebewelt, vor allem der Vögel, einbeziehen. So erzählt Loki Schmidt unter dem Titel “Morgen-singer und Nachteulen” von den Tageszeiten der Menschen, Vögel und Blumen und fügt dazwischen als Illustrationen eine “Königin der Nacht”, eine bunte Blumenuhr und eine Wegwarte ein. Oder (natürlich als Hamburgerin!) in “Wenn’s ebbt und wenn’s quillt” von ihren und vieler Menschen Erlebnissen am (Salz-)Wasser bei Ebbe und Flut, im Watt und an den Deichen mit ihren Pflanzen, Fischen und ihrem Gewürm. Eine Unmenge an interessanten Beobachtungen in der Natur der Hei-mat (und einige in der weiten Welt), die jeder mit offenen Augen selber machen und bestätigen kann, anschaulich erzählt und in angenehmem Layout gedruckt in diesem liebenswerten Ab-schiedsgeschenk von Loki Schmidt. - Sehr zu empfehlen!


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




23. Kalenderwoche 2011

**NEU** Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr
Ein politischer Zukunftsroman über die weitere Entwicklung im Nahen Osten.

Leon de Winters neuer Roman spielt im Jahr 2024. Der Staat Israel ist auf einen kleinen hochgesi-cherten Streifen Land rund um Tel Aviv geschrumpft. Wer kann, hat das trostlose Land längst ver-lassen. Bram Mannheim, in seinem früheren Leben erfolgreicher Professor in Princeton, ist noch da. Zusammen mit einem Partner betreibt er eine Agentur, die nach verschwundenen Kindern sucht. Als neue Selbstmordattentate den Nahen Osten erschüttern, weist die Spur nach Kasachstan und in Brams eigene Vergangenheit zurück. Sein eigener Sohn Bennie ist im Alter von vier Jahren spurlos verschwunden. - De Winters Blick in die Zukunft Israels, des Nahen Ostens und letztlich auf die Weltpolitik insgesamt ist illusionslos und hart. Gewalt und Fanatismus beherrschen die Welt und nur in zwischenmenschlichen Beziehungen glimmt manchmal ein Funken Hoffnung auf. Die Prota-gonisten gehen dem Leser in ihrer Gebrochenheit nah. Der Roman hinterlässt den Leser in ratloser und trauriger Stimmung, bietet dafür aber viel Anlass zur Diskussion.


**NEU** Gabi Kreslehner: Das Regenmädchen
Wer ist wirklich der Mörder des jungen Mädchens, das bei Regen und Dunkelheit einem Auto buch-stäblich entgegen geschleudert wird und zu Tode kommt?

Als die Kommissare Franza Oberwieser und Felix Herz zum Unfallort gerufen werden, scheint zu-nächst alles klar. Ein junges Mädchen ist bei Regen und Dunkelheit vor ein Auto gelaufen und über-fahren worden. Aber da ist die schwere Kopfverletzung, die nicht zum Unfallhergang passt und auf ein gewaltsames Verbrechen hindeutet. Außerdem ist die junge Frau nur mit einem dünnen festli-chen Kleid bekleidet, ganz und gar nicht den Wetterumständen entsprechend. Auf einem Rastplatz finden sich Blutspuren, die der DNS der Toten entsprechen. Nach und nach fügen sich Puzzleteile aneinander, aber mit Schrecken muss Kommissarin Oberwieser erkennen, dass ihr eigener Sohn eine Liebesbeziehung zu dem Mädchen hatte. Ist er in den Mord verwickelt? Literarisch sehr gut geschriebener Krimi mit spannender Handlung, die ein Lesevergnügen bis zum unerwarteten Schluss garantiert.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




20. Kalenderwoche 2011

**NEU** Andrea Camilleri: Das graue Kleid
Roman über die schicksalhafte Beziehung eines Mannes zu einer fünfundzwanzig Jahre jüngeren Frau.

Febo Germosino hat ein erfolgreiches Arbeitsleben als Vizepräsident einer staatlichen Bank hinter sich, als er in den Ruhestand geht. Sein Privatleben war weniger erfolgreich. Jetzt, am ersten Tag seiner Pensionierung, hat er Zeit die zurückliegenden Jahre Revue passieren zu lassen. Mit seinem Sohn aus erster Ehe hat er kaum Kontakt, seine zweite Frau, Adele, ist wesentlich jünger und betrügt ihn regelmäßig. Aber Febo ist Adele mit Haut und Haaren verfallen und es gelingt ihm nicht, einen Schlussstrich zu ziehen. Als er tödlich erkrankt, muss Febo schließlich erfahren, dass Adele seine Beerdigung kühl plant und nach seinem Testament Ausschau hält. - Ein Roman über einen Mann, der einer ‘femme fatale’ verfallen ist und sich selbst dadurch aus den Augen verloren hat. So leise und nachdenklich die Hauptfigur Febo versucht, mit der Liebe zu Adele zurechtzukommen, so zurückhaltend ist auch der Tonfall des Buches. Gerne empfohlen!


**NEU** Arno Surminski: Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken
Wem gehört die Geschichte? Arno Surminski fragt nach dem Schweigen der Täter und dem Wissenkönnen der Nachgeborenen.

Gedächtniskultur ist keine rein museale Angelegenheit, sondern setzt mühsame Erinnerungsarbeit voraus, geleistet vor allem von der Literatur. Der 1934 in Ostpreußen geborene Schriftsteller Arno Surminski wendet sich einem lange Zeit verdrängten Kapitel aus der Geschichte der letzten Kriegsmonate zu. Im Januar 1945 wurden Tausende Gefangene, die meisten von ihnen junge jüdi-sche Frauen aus Osteuropa, aus den ostpreußischen Außenlagern des KZ Stutthof über Kaliningrad (Königsberg) nach Jantarnyj (Palmnicken) getrieben und dort an der samländischen Bernsteinküste von Wachmannschaften der SS erschossen, von Hitlerjungen gejagt und, nur in sehr seltenen Fällen, von dort sesshaften Bauern gerettet. Arno Surminski erzählt diese zum Holocaust gehörende Geschichte (über die es erst 2006 eine umfassende wissenschaftliche Darstellung und im Sommer 2010 einen Dokumentarfilm gab) als Erinnerungsroman. Der Erzähler, ein Nachkriegskind, kann nicht verwinden, dass sein Vater als Mitglied der Waffen-SS sehr wahrscheinlich zu den Tätern des Massakers gehörte. Er begibt sich im Jahr 1998 auf Spurensuche vor Ort. Mithilfe einer polnischen Philosophiestudentin und eines Taxifahrers kommt er den Ereignissen von damals immer näher, nie jedoch so nahe, dass es gegenüber dem Wissenkönnen zum Verstehen reicht. Den Hauptteil des Buches nehmen Episoden ein, die vom Leidensweg von vier jungen Frauen aus dem Ghetto Lodz zur Ostseeküste und vom Elend der Zivilbevölkerung erzählen, dicht orientiert an Zeit-zeugenberichten, aber offenbar frei genug nacherzählt, um den Titel des Buches zu rechtfertigen: “Roman der Zeitgeschichte”. Arno Surminskis Buch über Flucht und Vertreibung ist ein eindringli-ches Zeugnis der Erinnerungsliteratur, frei von Aufrechnen der Schuld und von einseitigen Urteilen. - Nachdrücklich empfohlen!


Für unsere jungen LeserInnen

**NEU** Alice Pantermüller: Bendix Brodersen – Angsthasen erleben keine Abenteuer
Bendix, ein Waisenjunge, landet auf einer Südseeinsel, auf der - unglaublich - echte Dinosaurier leben. (ab 10)

**NEU** Thomas Schmid: Die Wilden Küken – Endlich Ferien
In Italien erwarten die “Wilden Küken” erlebnisreiche Ferien. (ab 10)

**NEU** Julia Breitenöder: Vorsicht, Zwilling
Lena wittert die Chance auf einen großen Zwillingstrick! (ab 8)

**NEU** Fabian Schiller: Beißen verboten!
Seit Biffs Mutter zu den vegetarischen Vampiren übergelaufen ist, läuft in seinen Leben nichts mehr, wie es sein soll. (ab 8)


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




18. Kalenderwoche 2011

**NEU** Astrid Rosenfeld: Adams Erbe
Nicht nur das Aussehen hat Edward von seinem Großonkel geerbt, er entdeckt auch dessen Vermächtnis: Die Geschichte seiner Liebe, die im Warschauer Ghetto endete.

Der Dachboden war ein verbotener Ort. Nachdem Edwards Großvater Moses dort gestorben war, durfte Edward den Raum nicht mehr betreten. Erst Jahre später, nach dem Tod seiner Großmutter, geht er wieder hinauf. Nichts hat sich seit dem Tod seines Großvaters verändert. Edward beginnt, Kisten und Koffer zu durchsuchen und stößt auf ein Päckchen, adressiert an eine Anna Guzlowski. Als er das Päckchen aufreißt, hält er die Geschichte seines im Krieg verschollenen Großonkels Adam in den Händen. Von diesem Adam hatte Edward in seiner Kindheit nicht viel Gutes gehört. Sein Großvater machte ihn dafür verantwortlich, dass seine Mutter und seine Großmutter nicht auswandern konnten und Opfer des Holocausts wurden. Und Edward bekam immer wieder zu hö-ren, dass er diesem Adam wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Doch die Geschichte, die Edward auf den Dachboden findet, erzählt von Adams großer Liebe zu dem jüdischen Mädchen Anna, deren Leben er rettete, indem er ihr die Flucht aus dem Warschauer Ghetto ermöglichte. Adams Auf-zeichnungen zeigen, dass er am Tod seiner Verwandten unschuldig war und dass er sein eigenes Leben für Anna geopfert hat. - Trotz des ernsten Themas erzählt Astrid Rosenfeld die Geschichten Edwards und Adams in leichtem Ton. Sie hat mit Edward und der Familie Cohen Charaktere ge-schaffen, die aus dem Rahmen fallen, unangepasst, nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens beheimatet und doch liebenswert. Besonders im zweiten Teil gewinnt der Roman an Tiefe. Er zeigt, wie aus dem jungen, naiven Adam ein Mann wird, der für seine große Liebe in den Tod geht. Au-ßerdem macht er auf beklemmende Weise deutlich, dass das Dritte Reich mit seinen Abgründen von Krieg und Massenmord keine Naturkatastrophe war, sondern das Werk von Menschen. Sehr, sehr lesenswert!


**NEU** Robert Goolrick: Eine verlässliche Frau
Roman über einen langen und ereignisreichen Winter im Leben eines Unternehmers in einer US-amerikanischen Kleinstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Ralph Truitt, Geschäftsmann im kleinstädtischen Wisconsin, ist reich, aber einsam. Per Kleinanzeige sucht er 1907, nach Jahrzehnten der Einsamkeit, eine “verlässliche Frau”. Als Catherine Land anreist und ihm gleich am ersten Tag das Leben rettet, glaubt er, sie tatsächlich gefunden zu haben. Nach der Hochzeit bittet er Catherine, seinen verschollenen Sohn Antonio aus erster Ehe zu suchen und wieder nach Hause zurückzubringen. Ein Auftrag mit weitreichenden Folgen, denn weder ist Antonio Truitts legaler Sohn, noch Catherine die Frau, für die sie sich ausgibt. Am Ende des Winters kehrt jedoch, begleitet vom nahenden Frühling, doch noch die Liebe ein in das Haus der Truitts. Robert Goolrick erzählt seine Geschichte von wahrer Liebe, echter Güte, Schuld und Vergebung spannend und mit viel Gespür für menschliche Abgründe, eine unerbittliche Natur und das kleinstädtische Leben Anfang des 20. Jh. Überraschende Wendungen und die eher nüchtern beschriebene und daher umso mehr zu Herzen gehende Seelenqual der handelnden Personen zieht den Leser in Bann. Ein Buch also, das man am liebsten bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legt. Ebenso in Bann geschlagen, schreibt Goolrick im Nachwort, wurde er durch den “Wisconsin Death Trip” von Michael Lesy. Ein Buch, das nicht nur Ideengeber für den Roman war, sondern ihn nicht mehr losgelassen habe: “Es hat mein Leben verändert. Solche Dinge geschehen.” Das kann einem auch beim Lesen von Goolricks eigenem Roman passieren. Ein beeindruckend, starkes und ungewöhnliches Buch mit zutiefst humanitärer Aussage


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




17. Kalenderwoche 2011

**NEU** Jodi Picoult: Schuldig
Als für Daniel unvermittelt seine heile Familienwelt zerbricht, muss er endlich damit begin-nen, sich seiner Vergangenheit zu stellen

Weltbestsellerautorin Jodi Picoult erzählt die dramatische Geschichte eines jungen Mädchens, des-sen Vater eine schwere Entscheidung zu treffen hat.Die 14-jährige Trixi ist Daniels Augenstern. Er liebt seine Tochter mehr als sich selbst. Der freiberufliche Comiczeichner schafft für Trixi eine Welt voller Heldengeschichten, während seine Frau Laura an der Universität Karriere macht. Wie brüchig aber das Glück der Familie ist, wird ihm nur allzu bald klar: Trixi kommt eines Abends vollkommen aufgelöst nach Hause. Die unschuldige Liebe ihres Freundes Jason hat sich in rohe Gewalt ver-wandelt. Wenig später stirbt der Junge unter mysteriösen Umständen, Trixi flieht vor den Konse-quenzen der Ereignisse nach Alaska. An einen Ort, der ihrem Vater sehr vertraut ist. Endlich muss er sich seiner Vergangenheit stellen und macht seiner Frau ein erschütterndes Geständnis... „Schuldig“ dürfte wohl eines ihrer besten Werke sein und somit eine echte Empfehlung für alle Le-seratten!


**NEU** Judith Lennox: Der italienische Geliebte
Zwei starke Frauen gehen ihren Weg trotz mancher Schicksalsschläge.

1933 ziehen Tessa, 17 und ihre Schwester Freddy, 12, mit der Mutter in eine Villa bei Florenz. Dort verliebt sich Tessa in Guido, den sie bald verlassen muss, da sie und Freddy in ein Internat in Eng-land geschickt werden. Später macht Tessa in London Karriere als Mannequin, wo die umschwärm-te junge Frau mit dem verheirateten Milo eine längere Beziehung eingeht und ein Kind mit ihm be-kommt. Aber Milo liebt das Kind nicht. Freddy dagegen ist viel zurückhaltender Männern gegenüber, doch auch sie findet nicht sofort den Richtigen. Lennox webt ein Netz mit vielen Figuren und deren Liebes- und Gefühlsleben, wobei der Zweite Weltkrieg im damaligen Italien und England mehr als Kulisse denn als Thema des Romans fungiert. Vor allem die Frauenfiguren sind einfühlsam und in ihrem Denken und Handeln nachvollziehbar gezeichnet, während die Männer eher klischierte Typen darstellen. Die z.T. kitschige Handlung von Liebe und Verrat wird durch die Spannung und die interessanten Frauenfiguren wett gemacht. Leichte Lektüre für Frauen.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




16. Kalenderwoche 2011

**NEU** Alex Capus: Léon und Louise
Geschichte einer großen Liebe, die alle Widrigkeiten wie Krieg und Trennung überdauert.

Die wunderbare Liebesgeschichte, voller Wärme und Humor, wird aus der Perspektive des Enkels erzählt, der nach dem Tod des über 80-jährigen Großvaters versucht, dessen Leben zu rekonstruie-ren. Der 17-jährige Léon Le Gall wird 1918 zum Arbeitsdienst an die Atlantikküste geschickt, wo er Louise kennen und lieben lernt. Bei einem Artillerieangriff der Deutschen werden sie schwer verletzt und getrennt. Sie halten einander für tot und treffen erst zehn Jahre später zufällig in der Pariser Metro wieder aufeinander. Léon ist inzwischen verheiratet und glücklicher Familienvater. Dennoch hat er Louise nicht vergessen und Louise ihn ebenso wenig. Von da treffen sie sich in unregelmäßi-gen Abständen; Louise bestimmt Ort und Zeitpunkt. Léons Familienleben leidet nicht unter diesem Doppelleben, seine Frau Yvonne erkennt, was Louise ihrem Léon bedeutet und duldet die Bezie-hung. Während des Zweiten Weltkriegs meldet sich Louise brieflich; sie ist in Afrika. Alex Capus erzählt die Geschichte einer unkonventionellen Liebe voller Zärtlichkeit und tiefem Verständnis, die bis zum Lebensende anhält: Zu Léons Begräbnis erscheint zum Erstaunen der vier Söhne, Tochter, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel eine zierliche alte Dame, um von der Liebe ihres Lebens, mit der sie nie zusammengelebt hat, Abschied zu nehmen.


**NEU** Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage
Die drei junge Menschen verbindende Freundschaft bildet das Fundament ihrer Lebenszu-versicht.

Die in einem nahe Heidelberg gelegenen Städtchen aufgewachsenen Aja, Seri und Karl verbindet eine stabile Freundschaft. Was hat sie in den 1960er Jahren zusammengebracht? Suchten sie die Nähe Évis, Ajas Mutter, deren unkonventioneller Lebensstil ihnen genügend Raum für Träume bot? War sie den vom Schicksal benachteiligten Kindern eine einfühlsame Trösterin? In den Erinnerungen Seris, die als Ich-Erzählerin vergangene Ereignisse ordnet und hinterfragt, konzentriert sich das Geschehen auf die außerhalb des Ortes in einem Gartenhaus lebende mütterliche Freundin. Mit der aus Ungarn stammenden ehemaligen Zirkusartistin Évi porträtiert Zsuzsa Bánk (Jahrgang 1965) eine Protagonistin, die aufgrund ihrer Spontanität und Hilfsbereitschaft zu den Sympathieträgern des Romans gehört. In bilderreicher, rhythmischer, melodiös klingender Sprache erzählt die Autorin von den fundamentalen Dingen des Lebens: Vertrauen und Verrat, Erwartung und Enttäuschung, Wiederkehr und Abschied. Die innige warmherzige Anteilnahme, mit der die in Frankfurt am Main beheimatete Schriftstellerin die Lebenswege ihrer Protagonisten begleitet, animiert die Leser, eigene Emotionen zuzulassen. - Der trotz seiner Seitenstärke empfehlenswerte Roman über das Er-wachsenwerden in einer nach Harmonie strebenden Gemeinschaft ist ein Mut machendes Buch.


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15. Kalenderwoche 2011

**NEU** Benedikt XVI: Jesus von Nazareth
Leiden, Tod und Auferstehung Jesu als geschichtliche Ereignisse, die über die Geschichte hinausreichen und ewige Bedeutung haben.

Der zweite Band des Werkes über Jesus von Nazareth widmet sich den letzten, entscheidenden Tagen in Jesu Leben: vom Einzug in Jerusalem bis zu Tod und Auferstehung. Es geht - zugespitzt gesagt - in diesen letzten Tagen um die Umsetzung der in seinem bisherigen Leben von Jesus ge-predigten Botschaft vom Reich Gottes in die durch bewusste Annahme von Leiden und Tod vollzo-gene Erlösungstat des Mensch gewordenen Sohnes Gottes für uns Menschen. Zum Prozess und der Verurteilung Jesu, die viele Jahrhunderte hindurch zum Anlass für einen immer wieder auch gewaltsamen Antijudaismus genommen wurden, weist Benedikt XVI. in absoluter Deutlichkeit darauf hin, dass keineswegs die Gesamtheit der Juden, sondern die Tempel-Aristokratie, und noch nicht einmal diese einmütig, Jesus vor Pilatus anklagen und seine Kreuzigung fordern. Und in diesem Zusammenhang sei ganz entscheidend: “Wenn nach Matthäus das ‘ganze Volk’ gesagt habe: ‘Sein Blut komme über uns und unsere Kinder’ (27,25), dann wird der Christ sich daran erinnern, dass Jesu Blut eine andere Sprache spricht als das Blut Abels (Hebr 12,24): Es ruft nicht nach Rache und Strafe, sondern es ist Versöhnung.” (S. 211) Mit Nachdruck hält Benedikt XVI. daran fest, dass Jesu Auferstehung nur als reales Ereignis, nicht aber als rein mystische Erfahrung der Jünger der christlichen Botschaft Sinn und Geltung verleiht und auch nur so die apostolische Verkündigung überhaupt ermöglicht. Gerade das Ringen in den Evangelien um eine gewisse Widersprüchlichkeit des Erfahrenen sei Ausdruck dafür, dass Gott in der Auferstehung Jesu eine ganz neue Dimension des Lebens eröffnet habe. - Das enge Ineinandergreifen von theologischer Forschung und Glau-bensverkündigung macht das Buch wirklich für alle Leser/innen interessant und fruchtbar.


**NEU** Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der König der Bettler
Der Henker Jakob Kuisl ist in eine Falle getappt: Bei einem Besuch in Regensburg findet er seine Schwester und den Schwager tot in der Badestube.

Im Jahr 1662 macht sich der Scharfrichter Jakob Kuisl, in der Heilkunde genauso bewandert wie in der Folter, von Schongau auf den Weg nach Regensburg, um seine jüngste Schwester von einer Krankheit zu kurieren. Doch er findet Schwester und Schwager brutal ermordet und wird daraufhin selbst als Mörder verdächtigt. Eine Falle? Seine eigensinnige Tochter Magdalena flieht kurze Zeit später mit ihrem Geliebten, dem Medicus Simon, vor den Anfeindungen in Schongau nach Regens-burg. Dort erfährt sie vom Schicksal ihres Vaters und macht sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. - Oliver Pötzsch - selbst Nachfahre der Familie Kuisl - erzählt eine packende Geschichte. Die Handlung ist durchweg spannend, die Charaktere sehr lebendig, die Schauplätze anschaulich und gut gewählt. Ein rundum gelungener Mittelalter-Krimi!


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13. Kalenderwoche 2011

**NEU** Martin Suter: Allmen und die Libellen
Beginn einer Krimiserie mit dem ungewöhnlichen Ermittlerduo Johann Friedrich von Allmen und seinem Butler Carlos.

Held der neuen Reihe ist der feinsinnige Lebemann und Kunstsammler Johann Friedrich von Allmen. Er spricht acht Sprachen, lebt auf großem Fuß und hat das Millionenvermögen seines Vaters längst durchgebracht. Die hochherrschaftliche Villa samt dazugehörender Kunstsammlung musste er verkaufen und seitdem lebt er mit seinem Butler Carlos - einem ehemaligen Schuhputzer aus Guatemala - im Gartenhaus des Anwesens. Da er bis über beide Ohren verschuldet ist, hat er das Kunstsammeln in Kunst beschaffen gewandelt und sein langjähriger Antiquitätenhändler Tanner hilft ihm mit Aufkäufen von Objekten nebulöser Herkunft immer wieder aus der Klemme. Bis nach einem alkoholseligen Opernabend Allmen von Jojo, einer heißhungrigen Blondine, in die Villa ihres Vaters abgeschleppt wird. Dort entdeckt er bei einem nächtlichen “Rundgang” eine geheime Kammer mit einer umfangreichen Sammlung edelster Jugendstilgläser und -schalen - und bei den fünf Schalen mit Libellen kann Allmen nicht widerstehen, scheinen sie doch ein Vermögen wert zu sein. Die Vermarktung der Schätze ist jedoch weit schwieriger als ihre Beschaffung - und so nimmt eine brillante Geschäftsidee Formen an: “International Inquiries” - die Wiederbeschaffung schöner Dinge. - Mit dem mondänen und immer klammen Johann Friedrich von Allmen und seinem Butler Carlos bewegt Suter sich weiterhin auf vertrautem Terrain, denn auch seine bisherigen Geschichten spielten in der wohlsituierten Welt des Zürcher Bürgertums, in der betuchte und manchmal auch gelangweilte Geschäftsleute ihren oft nicht ganz koscheren Geschäften nachgehen. Auch wenn der Erstling seiner Krimireihe ein wenig kurz ausgefallen ist und sich überwiegend in der Vorstellung der Charaktere erschöpft, kommt Suters Talent darin bereits klar zum Tragen: Er kann unterhaltsam-spannende und windungsreiche Geschichten kurzweilig erzählen.


**NEU** Romain Rolland: Pierre und Luce
Die Geschichte vom Wachsen und Reifen einer großen Liebe in Zeiten des Krieges.

Pierre und Luce berühren sich im Gewühle einer Pariser Tram leise und unabsichtlich und sehnen sich seitdem nach einem Wiedersehen. Er begegnet ihr dann öfters in einem Park, durch den sie auf dem Weg zu ihrer Straßenbahn spaziert, um nach Hause in der Vorstadt zu fahren. Sie ist die Tochter einer schwer schuftenden alleinerziehenden Mutter und versucht sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie Werke alter Meister kopiert. Pierre dagegen ist ein gut situierter Bürgersohn aus der Stadt, der ihre ärmliche Vorstadtwelt nicht kennt. In den nächsten Wochen wächst ihre Zuneigung zart zu einer großen, unschuldigen Liebe weiter, die als Kontrast gegen die sie um-gebende laute Welt des Bombenkrieges im Frühjahr 1918 eine Insel der Seligkeit bildet. Die Lei-denschaft der beiden Liebenden wird immer drängender, sie aber wollen sich erst hingeben, wenn sie dazu fähig und bereit sind ... - Romain Rolland (1866-1944) erzählt diese romantische Episode (die dann doch mit finaler Zerstörung endet) mit einem bewundernswerten Ernst und sittlicher Strenge, die dem Gewirre der todbringenden Bomben und Granaten das Recht des Lebens entge-genstellen will und dieses in seiner unschuldigsten und schönsten Form schildert. Weit entfernt von allem üblichen Kitsch und sentimentalen Getue von literarischen Liebesgeschichten (auch in den zeitgenössischen Medien) schenkt uns der französische Autor mit “Piere und Luce” eine der schönsten Erzählungen über die zwischen Menschen mögliche Liebesfähigkeit.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




12. Kalenderwoche 2011

**NEU** Joyce Carol Oates: Geheimnisse
Geschichte einer traumatisierten Frau, die sich eine neue Identität erfindet, um in Frieden leben zu können.

Eine Frau erfindet sich neu: Rebecca ist die Tochter eines jüdischen Mathematiklehrers, der mit seiner Familie in den dreißiger Jahren aus Deutschland in die USA fliehen muss. Ihre Eltern müssen dort ganz neu anfangen; der Vater arbeitet nun als Totengräber. Den mit der Flucht verbundenen sozialen Abstieg verkraftet er nicht und tötet schließlich sich und seine Frau. Rebecca ist darüber ein traumatisiertes, angstgetriebenes Mädchen geworden; später wird sie auch noch vom Ehemann misshandelt. Überall erlebt sie nur Gewalt; den einzigen Ausweg sieht sie darin, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen und noch einmal von vorne anzufangen. Aus Rebecca wird Hazel, eine hübsche, beliebte Frau, die mit einem liebevollen Mann verheiratet ist, der das musikalische Talent ihres Sohnes fördert. Dabei wahrt sie jedoch stets ihre Geheimnisse; Selbstverleugnung und Verstellung bestimmen ihr Leben. - Oates’ Sprache ist eindringlich, sie schreckt vor detaillierten Schilderungen von Gewalt und Blutvergießen nicht zurück. Die Angst vor Einsamkeit, Verlust und Erkanntwerden ist allgegenwärtig. Sogar dann noch, als Hazel alles erreicht zu haben scheint, als ihr 17-jähriger Sohn auf einem internationalen Wettbewerb Beethoven spielt. - Der Roman der be-deutenden US-amerikanischen Autorin ist ihrer Großmutter gewidmet, die die ‘Tochter des Toten-gräbers’ war. Aus Erinnerungen ihrer Großmutter und aus Dokumenten hat Oates ein Puzzle zu-sammengesetzt, das eine starke und einsame Frau zeigt, der es gelungen ist, zumindest vorder-gründig ihrem Leben eine Wende zu geben. Der umfangreiche Roman beweist erneut das außer-gewöhnliche Erzähltalent der Autorin - eine herausragende Neuerscheinung.


**NEU** Matt Haig: Die Radleys
Amüsanter Roman über eine Vampirfamilie, die sich als Abstinenzler durchs Leben schlagen, bis einer wieder auf den Geschmack kommt.

Die Radleys gehören zu einer der ältesten Vampir-Familien Englands, doch Helen und Peter haben sich wegen ihrer Kinder Rowan und Carla für ein gutbürgerliches, abstinentes und reichlich kompli-ziertes Leben entschieden. Doch dann passiert es, Carla leckt buchstäblich Blut und der Alltag der Familie ändert sich grundlegend, zumal auch noch Peters überaus blutrünstiger Bruder Will auf-taucht. Mehr und mehr verfällt die Familie dem Blutrausch und stellt fest, dass das Leben als prakti-zierender Vampir durchaus seinen Reiz hätte, wäre da nicht diese lästige Sondereinheit der Polizei. - Endlich erfahren wir, dass die Bis(s)-Romane weit an der rauen Wirklichkeit vorbeigeschrieben wurden. Natürlich sind die Vampire unter uns und sie fallen nicht einmal besonders auf. Sie wirken nur etwas blass und kränklich, solange sie abstinent leben. Haig spinnt das Thema genüsslich aus, gibt familiäre Einblicke in das gar nicht so außergewöhnliche Privatleben und zieht nach dem fulmi-nanten Finale den einzig logischen Schluss: Vampire sind auch nur Menschen! Für alle Fans des beißenden Gewerbes sehr zu empfehlen!


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11. Kalenderwoche 2011

**NEU** John Irving: Letzte Nacht in Twisted River
Von verlorenen Hoffnungen und schwierigen Orientierungsversuchen im Leben dreier Män-ner: einem genialen Koch, dessen Sohn und einem naturverbundenen Holzfäller.

In einem Holzfällercamp in den Wäldern von New Hampshire im Jahr 1954: Der unerfahrene Angel Pope gerät bei der Holztrift im Twisted River unter die Baumstämme und ertrinkt. Im Kochhaus be-reitet Dominic Baciagalupo, der Koch des Camps, den wenigen Holzarbeitern, die nach dem Un-glück noch hungrig sind, ein spätes Abendessen. Angels Tod konfrontiert Dominic Baciagalupo mit seiner eigenen Vergangenheit, denn auch seine Frau ist in den Fluten des Twisted River ertrunken. Zehn Jahre sind seither vergangen; Dominic will nach dem Drama keine feste Beziehung mehr ein-gehen. Auch sein Freund Ketchum, der sich für das tragische Unglück verantwortlich fühlt, wird da-mit nie richtig fertig. Dominic konzentriert sich ganz auf seinen Sohn Danny und auf seinen Beruf, den er hervorragend beherrscht. Nicht lange nach dem schrecklichen Unfall Angels verwechselt Danny im Dunkeln die Geliebte des Dorfpolizisten mit einem Bären und erschlägt sie mit einer Brat-pfanne. Vater und Sohn müssen daraufhin vor dem rachsüchtigen Polizisten fliehen. Von nun müs-sen die beiden immer wieder von vorne beginnen. Beruflich sind sie trotzdem immer oben auf. Do-minics Restaurants sind viel besucht, Danny ist erfolgreich als Kursleiter für kreatives Schreiben und wird später ein berühmter Bestsellerautor. Neben kurzen Momenten des Glücks bereitet ihnen das Schicksal immer wieder tiefsten Schmerz. - Mit magischer Erzählkraft erhellt John Irving viele Züge des heutigen Amerikas. Virtuos mit Schnitten, Blenden und Rückerinnerungen arbeitend zieht er den Leser in seinen Bann. Der einen Zeitraum von über 50 Jahren umspannende Roman glänzt mit intelligenten, radikal realistischen oder auch skurrilen Reflexionen der Höhen und Tiefen zwi-schenmenschlicher Beziehungen - manchmal ausufernd, desillusionierend und mit bitterem Unterton und dann doch wieder diszipliniert, gefühlvoll und bewegend. Sehr empfehlenswert.


**NEU** Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten
Der mysteriöse Tod des Antiquars Campelli löst einen tödlichen Machtkampf zwischen einer bibliophilen Gesellschaft und ihren Gegnern aus.

Als Luca Campelli, Besitzer des Antiquariats “Libri di Luca”, von einer Reise zurückkehrt, stattet er spät abends seinem Geschäft noch einen Besuch ab. Wenige Stunden darauf wird er tot aufgefun-den. Sein Sohn Jon erbt das Antiquariat, hat aber zunächst wenig Interesse daran. Doch schon bald kann auch Jon sich den mysteriösen Ereignissen nicht mehr entziehen, die um ihn herum ge-schehen. Staunend wird er von Iversen, dem besten Freund seines Vaters, und der hübschen Ka-tharina in das große Geheimnis eingeweiht: Luca Campelli, in Kopenhagen berühmt für seine Le-sungen, die sich durch ihre außerordentliche Intensität auszeichneten, scharte Menschen mit einer besonderen Gabe um sich: Mitglieder einer geheimen Gesellschaft, denen es gelingt, die Gefühle und Meinungen anderer durch das Lesen von ausgewählten Texten zu beeinflussen. Noch unge-heuerlicher erscheint es Jon jedoch, dass auch er selbst diese Gabe besitzen soll. Erst als es zu einem Brandanschlag auf das kleine Antiquariat kommt, erkennt Jon das Machtpotenzial der biblio-philen Gesellschaft. Zusammen mit Iversen und Katharina, setzt er nun alles daran, sie zu schützen, aber ihre Gegner scheinen stärker zu sein. - Mit seinem Erstlingswerk ist dem dänischen Autor ein Stück großartiger Spannungsliteratur gelungen. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Krimi- und Fantasy-Elementen, die den Leser unwiderstehlich in ihren Bann ziehen. Ein Pageturner, der nicht nur bibliophile Krimifans begeistern wird!


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10. Kalenderwoche 2011

**NEU** Jostein Gaarder: Die Frau mit dem roten Tuch
Ein Mann und eine Frau, vor dreißig Jahren ein Liebespaar, das sich nach einem schreckli-chen Unfall getrennt hatte, treffen einander zufällig wieder.

Solrun und Steinn treffen einander zufällig in einem Hotel im norwegischen Fjordland - dem Ort, an dem sie sich vor dreißig Jahren nach einem traumatischen Ereignis getrennt haben. Solrun ist eine “christliche Spiritualistin”, sie glaubt an übersinnliche Phänomene: “Natürlich kann man bedauern, dass wir nicht alles zwischen Himmel und Erde erklären können (...)”, während Steinn Naturwissen-schaftler ist. Er staunt über die Wunder der Welt und nicht über die Rätsel des Übersinnlichen. Er glaubt “an das, was ist”. Die beiden beginnen einen Briefwechsel per E-Mail, um zu verstehen, was sie damals getrennt hat. Gibt es ein Leben nach dem Tod und steckt eine göttliche Idee hinter dem Universum? Oder müssen wir uns an die Fakten der Evolutionsgeschichte halten, wenn wir der Wahrheit näher kommen wollen? Gleich welcher geistigen Strömung der Leser vertraut, ob spirituell oder analytisch, religiös oder zweifelnd - beide Seiten sind für den Leser überzeugend dargelegt. Der Norweger Jostein Gaarder wurde 1993 mit “Sophies Welt” weltberühmt - ein Buch über die Suche nach dem Sinn des Lebens. Auch “Die Frau mit dem roten Tuch” handelt von den großen philo-sophischen Fragen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Dabei gerät er gelegent-lich ins Dozieren, was auf den Leser ermüdend wirkt. Dennoch schafft der Autor es bis zum Schluss, den Spannungsbogen zu halten. Die dunklen Geheimnisse der Geschichte, das Mysterium der “Frau mit dem roten Tuch”, werden erst in einem dramatischen Finale gelüftet. Ein Lesevergnügen für diejenigen, die sich für die großen Sinnfragen, eingebunden in eine Liebesgeschichte, interessieren.


**NEU** Erwin Mortier: Götterschlaf
Eine Neunzigjährige erinnert sich an ihr Leben - ein exemplarisches Frauenschicksal im 20. Jh.

Helena ist alt und pflegebedürftig. Ans Bett gefesselt erinnert sie sich an ihre Kindheit und Jugend in Flandern. Vor allem an die Sommerurlaube beim Onkel auf dem Land, den sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder jedes Jahr besucht hat. Auch im Jahr 1914 machen sie sich dorthin auf, nichts ahnend, dass sich die Welt, die sie bisher gekannt haben, für immer verändern wird. Der Erste Weltkrieg bricht aus. Helena lernt einen britischen Fotografen kennen und lieben und erlebt mit ihm die Jahre des Krieges. Ein Frauenleben im 20. Jahrhundert. - Der belgische Autor Erwin Mortier wurde für “Götterschlaf” mit dem wichtigsten niederländischen Literaturpreis AKO ausgezeichnet. Stark und berührend wird der Roman vor allem durch die Beschreibungen des Krieges und seiner - auch überlebenden - Opfer. Sehr fesselnd! Manche Längen gerade am Anfang des Buches nimmt man dafür gerne in Kauf.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




09. Kalenderwoche 2011

**NEU** Igal Shamir: Hitlers Violine
Fiktive Geschichte einer von Hitler befohlenen Hinrichtung eines Geigers und die Jahrzehnte spätere Aufarbeitung der Tragödie.

Im Jahr 1940 spielt der Wehrmachtssoldat und Violinist Gustav Schultz in einem französischen Schloss vor Hitler und anderen Nazigrößen. Schultz wählt ein Stück des jüdisch- italienischen Kom-ponisten Salomone Rossi, was ihm zum Verhängnis wird: Hitler befiehlt seine Hinrichtung. Der zehnjährige Junge des Schlossverwalters bekommt den Vorgang mit und beginnt 50 Jahre später, als Kardinal de Morillon im Vatikan, Israelis für den Vorgang zu interessieren. Grund ist ein Violin-konzert des Israelis Gal Knobel, der unter anderem auch eine Komposition Rossis zum Besten gab. Knobel und de Morillon versuchen bei Rossi anzusetzen, der im 16. Jh. lebte und ein Zeitgenosse von Claudio Monteverdi war. Schon bald merken sie, dass ihre Recherchen in den verschiedenen Archiven, speziell den umfangreichen Urkundensammlungen des Vatikans und in Florenz wir-kungsvoll behindert werden. Auch die Nachforschungen nach Überlebenden der Ereignisse von 1940 gestalten sich schwierig und vor allem gefährlich. Sowohl Seilschaften von alten Nazis wie auch willfährige Helfer im Vatikan wollen eine Aufklärung mit allen Mitteln verhindern… - Die Ge-schichte ist auf verschiedenen zeitlichen Ebenen angesiedelt; bis zum Schluss gibt es offene Fragen und Rätsel. Da wird der Leser manchmal beinahe überfordert. Das ist kein reißerisches Buch, aber Spannung ist durchweg angesagt. Die diversen Schauplätze in Paris, Berlin, Bayern und diversen italienischen Städten sind genau und detailreich beschrieben, genauso wie auch die beteiligten Protagonisten. Ein Buch voller Melancholie und Trauer, trotzdem unterhaltsam.


**NEU** Dick & Felix Francis: Schikanen
Ein Londoner Rechtsanwalt und Amateur-Jockey kämpft um den Freispruch für einen wegen Mord angeklagten bekannten Profi-Jockey.

Geoffrey Mason, Barrister für Strafrecht in einer renommierten Londoner Anwalts-Kanzlei, reitet in seiner Freizeit als Hindernisjockey. Dabei trifft der erfolgreiche Jurist hin und wieder auch auf die Profi-Jockeys. Als der ihm gut bekannte Jockeystar Scot Barlow ermordet aufgefunden wird, deutet alles darauf hin, dass einer seiner schärfsten Konkurrenten, Steve Mitchell, der Täter war. Der Ver-dächtige war auch privat stark mit Barlow verfeindet und hatte mehrfach gedroht, ihn umzubringen. Mitchell wird des Mordes angeklagt und Mason soll ihn verteidigen. Mason erkennt schnell, dass mit dem Mord, den man Mitchell anhängen will, ein noch größeres Verbrechen vertuscht werden soll. - Der erst Anfang dieses Jahres verstorbene Dick Francis, Ex-Jockey und Krimiautor mit großer Fan-Gemeinde, schrieb seine letzten Krimis bis zu seinem Tod gemeinsam mit seinem Sohn Felix. In “Schikanen” steht neben dem Pferdesportmilieu das englische Rechtswesen im Mittelpunkt. Die Autoren beschreiben realitätsnah, detailgenau und mit urbritischem Wortwitz ihren liebenswerten Protagonisten und dessen Lebensverhältnisse. Der zweite Kriminalroman von Vater und Sohn Francis ist raffiniert konstruiert und sehr spannend.


Stieg Larssons Millenium Trilogie:

**NEU** Stieg Larsson: Verblendung
Ein schwedischer Industrieller beauftragt Journalisten mit der Klärung eines Jahrzehnte zu-rückliegenden Verbrechens.

Der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist macht schwere Zeiten durch. Die Enthüllungsgeschichte über einen schwedischen Geschäftsmann kann er nicht belegen, daher muss er die Verurteilung zu einigen Monaten Gefängnis und eine Geldstrafe hinnehmen. Da kommt ihm das Angebot Henrik Vangers, Patriarch eines Wirtschaftsimperiums, gerade recht. Dessen Nichte Harriet ist seit den 60er Jahren vermisst und Blomkvist soll die Umstände ihres Verschwindens aufklären. Die Nach-forschungen über die Ereignisse vor bald 40 Jahren bleiben lange ergebnislos. Nach monatelangen Recherchen Blomkvists geraten einige Mitglieder der Familie Vanger mehr und mehr in den Ver-dacht, am Verschwinden Harriets beteiligt gewesen zu sein. - Der 2004 verstorbene Autor hat mit diesem Buch eine sehr eindrucksvolle und spannende Geschichte erzählt. Allerdings dürften die brutalen Gewaltszenen manche Leser erschrecken. Kein Buch also für zart besaitete Gemüter, doch sicher wird der Thriller eine große Lesergemeinde finden.


**NEU** Stieg Larsson: Verdammnis
Höchste schwedische Regierungskreise sind in kriminelle Machenschaften verstrickt.


**NEU** Stieg Larsson: Vergebung
Letzter Teil der Trilogie um die Ermittlerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomqvist.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




08. Kalenderwoche 2011

**NEU** Henning Mankell: Der Feind im Schatten
Zehnter und letzter Roman um Kommissar Kurt Wallander.

Auf der Suche nach einem verschwundenen Marineoffizier gerät Kurt Wallander in ein Netz aus Spionage, das in längst vergessen geglaubte Zeiten des Kalten Krieges zurückführt. - Die Krimi-handlung ist in diesem Roman nebensächlich, Sinn und Zweck ist offenbar der Abschied von einem Charakter, der die Leser/innen seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten fasziniert. Aber auch andere alte Bekannte tauchen noch einmal auf (manchmal leider ohne erkennbaren Sinn) und häufig über-kommen Wallander Erinnerungen an alte Zeiten. Der gerade Großvater gewordene Kommissar denkt viel über das Altwerden und Sterben nach. Allein für sich betrachtet bietet das Buch einige Schwächen. Als Abschluss einer beliebten Romanserie aber wird Mankell hier seine treue Leser-schaft sicherlich überzeugen und etwas traurig stimmen - denn ein “danach” wird es für Kurt Wal-lander nicht mehr geben.


**NEU** Loki Schmidt: Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde
Loki Schmidts lebendig erzählte Erinnerungen an ihr Leben an der Seite von Helmut Schmidt.

68 Jahre lange waren Helmut und Hannelore Schmidt verheiratet - bis zu Lokis Tod am 21. Oktober 2010. Loki Schmidt war nie “nur” die Frau von Helmut Schmidt, sondern hat immer auch ihre eige-nen Interessen als Botanikerin und Naturschützerin verfolgt. Aber in diesem, ihrem letzten Buch erzählt sie vor allem von dem Leben an der Seite ihres Mannes - angefangen von der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit über die ersten politischen Jahre in Hamburg bis zu der Zeit als Bun-deskanzlergattin in Bonn. In den Gesprächen mit dem Journalisten Dieter Buhl berichtet Loki Schmidt von ihren zahlreichen Reisen, den Staatsbesuchen von Königen, Schahs und Präsidenten, aber auch von schwierigen Situationen, wie der Entführung der “Landshut” durch die RAF oder den Tagen nach dem Rücktritt Willy Brandts. Deutlich wird dabei: Hannelore Schmidt hat in ihrer Rolle immer die Balance zwischen Herzlichkeit und Zurückhaltung gefunden. So hat sie vor allem im Zwi-schenmenschlichen stets “Lücken” im Protokoll genutzt, um ihren eigenen Weg zu gehen und so zu handeln, wie sie es für richtig hielt. Fotografien aus allen Lebensstationen runden diesen persönlichen Einblick in sieben Jahrzehnte deutsche Geschichte ab.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




07. Kalenderwoche 2011

**NEU** Günter Grass: Grimms Wörter
Das große Alterswerk eines großen Schriftstellers - eine Hommage an die deutsche Sprache.

Der Untertitel “Eine Liebeserklärung” bringt es auf den Punkt: Günter Grass hat eine Hommage an die Brüder Grimm und ihr Wörterbuch geschrieben. Während er die Grimmbrüder, wie er sie nennt, auf ihren Spaziergängen durch den Berliner Tiergarten oder bei einer Ruderpartie begleitet, flüstert er ihnen seine eigenen Stichworte zu. Es sind Wörter unserer Zeit, anhand derer Grass sein eigenes Leben nacherzählt. Aber anders als in seiner Autobiographie “Beim Häuten der Zwiebel” beschränkt er sich auf kleine Exkurse, orientiert an den kurzen Artikeln eines Lexikons. Der Mahner und Unkenrufer Grass hebt nur vorsichtig den Zeigefinger. Bevor er belehrend wird, verschwindet er schnell wieder hinter dem nächsten Baum, dem nächsten Absatz, dem nächsten Wort und lässt die Grimms für sich sprechen. “Grimms Wörter” ist auch ein Buch über das Altern. Die Brüder sind über ihren Lexikon-Artikeln gestorben - Wilhelm über dem D und Jacob über dem F. Andere haben das Grimmsche Wörterbuch vollendet. Günter Grass deutet in einem Kapitel an, dass “Grimms Wörter” sein letztes Buch sein könnte. Es ist sein Vermächtnis, das große Alterswerk eines großen Schrift-stellers.


**NEU** „Wo wenn nicht hier – Geschichten unterm Kirchturm“
Literarische Kirchgänger - 14 Autoren erzählen von ihren Gotteshäusern.

Natürlich gehen auch Schriftsteller in Kirchen. Bisweilen predigen sie dort und können gut von ihrer persönlichen oder literarischen Beziehung zu den Gotteshäusern erzählen. Aus dieser Idee hat Thomas Begrich, Geschäftsführer der Stiftung “Kirchlicher Baudenkmäler Deutschland” (KiBa), eine Anthologie gemacht. Sie besteht aus 14 Beiträgen von Autoren unterschiedlicher Generationen. Sie berichten über Stadt- und Dorfkirchen (teilweise auch mit kritischem Blick auf die Architektur), den Kölner Dom und italienische Basiliken, Kapellen und Tempel, die auf eine “Anders-Welt” verweisen. Das macht die Kirchen, wie Ulla Hahn schreibt, zu Verwandten von literarischen Büchern. Denn auch diese halten die Sehnsucht wach nach dem, “was wir nicht (mehr) sind, die Sehnsucht nach Vollkommenheit”. Der Theologe Klaas Huizing erzählt von dem Kinderspiel einer “Dielenpredigt”, der Schriftsteller Wladimir Kaminer von dem Wiederaufbau russischer Kirchen nach der Perestroika, und Eva Zeller wirbt in einem Gedicht dafür, die Kirche mit ihrer vom Krieg gezeichneten Geschichte “im Dorf” zu lassen. “Wo wenn nicht hier”: eine lesenswerte Anthologie von Geschichten und Gedichten unterm Kirchturm und eine Werbung für Kirchen als kulturell inspirierende und biografisch aufschlussreiche Baudenkmäler.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




06. Kalenderwoche 2011

**NEU** Jodi Picoult: Zerbrechlich
Psychogramm einer Familiengeschichte um die Klage einer Mutter auf Schadensersatz, weil ihr vorenthalten wurde, ihr behindertes Kind rechtzeitig abzutreiben.

Es liest sich wie ein makabres Familienexperiment: die besorgte Vorzeige-Mutter Charlotte O’Keefe, die ihren Traumberuf für die durchgehende Pflege ihrer kranken Tochter aufgibt; der sorgenvolle Vater Sean, der seine Familie zwar über alles liebt, jedoch als Polizist nicht genug für die krankheitsbedingten Ausgaben verdient; die ältere Schwester Amelia, die zwar körperlich gesund ist, aber wegen der mangelnden Aufmerksamkeit ihrer Eltern zunehmend an der Seele erkrankt; und schließlich das kranke Kind: Willow, geboren mit der Glasknochenkrankheit, dafür hochbegabt. Sie alle werden zu Spielfiguren in einem unheilvollen Gerichtsverfahren, das Charlotte gegen ihre Gynäkologin und einst beste Freundin Piper anstrebt: Sie beschuldigt diese, ihr die Behinderung ihrer Tochter bei einer frühen Untersuchung vorenthalten zu haben und ihr damit die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs verwehrt zu haben. Was eigentlich alle Träume ihrer ganzen Familie ermöglichen sollte, gerät zum schrecklichen Alptraum. - Spannend, abwechslungsreich und einfühlsam lässt die Autorin den Leser an einer tief bewegenden Familientragödie teilhaben. Biswei-len zur Melodramatik neigend formt sie die Protagonisten zu plastischen Charakteren, die die schwere Frage über das Recht auf Leben auf bewegende Weise illustrieren. Auflockernd wirkt dabei die Nebenhandlung der beteiligten Anwältin, die sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern begibt. Gut recherchiert, flüssig geschrieben und nachvollziehbar gezeichnet - ein bitter-süßer Fa-milienroman.


**NEU** Richard Dübell: Die Erbin der Teufelsbibel
Ein geheimnisvolles Buch wirbelt eine Prager Familie durch die letzten Monate des 30-jährigen Kriegs.

Mitteleuropa liegt darnieder, während die Friedensverhandlungen in Münster kaum vorankommen. Marodierende Söldner streifen durch Süddeutschland und Böhmen. In diesem gewalttätigen Umfeld wird die Kaufmannsfamilie Khlesl und Langenfels, der der Codex Gigas anvertraut ist, mit mehreren Suchern, die das angeblich so gefährliche Buch finden wollen, konfrontiert. Ein Überlebender eines Massakers will das Buch, um es zu vernichten, aber auch um seine Hüter auszurotten. Ein Emissär Königin Christinas von Schweden versucht das ebenfalls. Diese Hetzjagd bringt die Kaufleute und ihre Frauen in viele Gefahren. Zuletzt nach vielen Toten und Gräueln entdecken aber zwei der Pro-tagonisten, dass sie schon längst zusammengehören. - Mittlerweile schon der dritte Band um die sog. “Teufelsbibel“. Ausdrücklich betont der Autor im Nachwort, dass er alle geschilderten Untaten sorgfältig recherchiert, allenfalls an einen anderen Schauplatz verlegt habe. Lebensvoll sind ihm die Charaktere gelungen, verrohte und verzweifelte ebenso wie durch Heilkunst, Glauben oder soldati-sches Ethos geprägte. Gleichwohl ist darauf hinzuweisen, dass die Schilderungen recht drastisch sind und möglicherweise nicht jedermann zuträglich.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




05. Kalenderwoche 2011

**NEU** Benedikt XVI: Licht der Welt
Papst Benedikt XVI. äußert sich im Gespräch freimütig zu aktuellen Themen und Krisen der katholischen Kirche.

Peter Seewald hatte im Sommer 2010 die Möglichkeit, Papst Benedikt XVI. insgesamt sechs Stun-den interviewen zu können. Als Benedikt XVI. noch Präfekt der Glaubenskongregation war, hatte Seewald bereits zwei Gespräche mit ihm als Bücher herausgegeben (“Salz der Erde” und “Gott und die Welt”). Schon damals waren die unerwartet zahlreichen Leser/innen überrascht von der Offen-heit, mit der der als unnachgiebig und unnahbar geltende Kardinal alle Fragen beantwortete. Dass Joseph Ratzinger auch als Papst Benedikt XVI. diese Offenheit und Nachdenklichkeit an den Tag legen würde, durfte man also fast schon erwarten - und doch ist es verblüffend, wie klar und ohne auszuweichen er sich auch den unangenehmen Fragen nach den Krisen der Katholischen Kirche in den letzten Jahren stellt. Seine Ausführungen sind durchaus selbstkritisch gehalten, räumen immer wieder Fehleinschätzungen und Versäumnisse ein. Noch entscheidender als die Erkenntnis, dass Benedikt XVI. alles andere als kritikresistent und doktrinär ist, sind freilich die theologischen Hinter-gründe, die der Heilige Vater in seinen Antworten aufzeigt, gerade auch zu den sog. “heißen Eisen” wie Aids, Homosexualität, Ökumene etc. Das als Hintergrund aller, manchmal weltfremd wirkender Lehraussagen der Kirche noch besser zu vermitteln, ist jedoch - wie der Papst einräumt - “eine große Aufgabe, ... an der noch mehr und noch besser gearbeitet werden muss” (S. 175). Dieses Buch geht bereits einen Schritt in die richtige Richtung. Als einer der ganz wenigen geht Seewald auch darauf ein, wie sehr dieser Papst sich für die Erhaltung der Schöpfung einsetzt - ein Aspekt seines Pontifikats, der von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen wird. Insgesamt vermag das Buch dazu beizutragen, dass Papst Benedikt XVI., v.a. aber dass die Lehre der Katholischen Kirche besser verstanden werden kann. Ein wichtiges Buch zur rechten Zeit!.


**NEU** Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere
Mysteriöse Morde in der Nähe des Nürburgrings wecken das Interesse des Journalisten Sig-gi Baumeister.

Siggi Baumeister ist eigentlich Journalist; doch wenn es um Mord geht, hat er eine sichere Spürnase und ist nicht mehr zu halten. Diesmal geht es um mysteriöse Morde in der Nähe des Nürburgringes. Zunächst wird ein Top-Manager aus den Reihen der Baumafia erschossen, die an der Rennstrecke 300 Millionen Euro schwere Hotelprojekte aus dem Boden gestampft und dabei die ortsansässigen Gastwirte und Hoteliers gnadenlos ausgebootet hat. Dann wird ein alter Bauer in seinem Stall mit einem Kopfschuss ermordet gefunden. Siggi und seine Freunde Emma und Rodenstock ermitteln neben der Kripo auf ihre Art und merken bald, dass beide Morde durchaus zusammenhängen. Und das macht die Sache für die drei nicht ungefährlicher… - Jacques Berndorf gehört zu den erfolgreichsten deutschen Krimischreibern. Seine Eifel-Krimi-Serie um Siggi Baumeister hat schon fast Kultstatus. Auch der neueste Fall ist wieder aus den typischen Berndorf-Zutaten gemixt. Eine gute Story, ein fesselnder Stil, treffend gezeichnete Charaktere und viel Lokalkolorit machen das Buch zu einem reinen Lesespaß für alle Krimifans.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




04. Kalenderwoche 2011

**NEU** Bernhard Schlink: Sommerlügen
Sieben spannende Geschichten rund um das Thema “Lebenslügen”.

Wer Bernhard Schlinks spannende und brillant erzählte Geschichten aus “Liebesfluchten” kennt, wird in dieser neuen Sammlung eher noch luzider und feiner erzählte Episoden finden, die von Menschen berichten wollen, die die alltäglichen Lügen, in denen wir leben, aufzudecken versuchen. Ob von dem Mann erzählt wird, der eine “Nacht in Baden-Baden” mit einer guten Bekannten verbringt und sich dann daheim vor seiner Frau rechtfertigen muss; oder von dem armen Flötisten aus dem weltbekannten Orchester, der in seinem Urlaub in der “Nachsaison” eine Frau lieben lernt, die sich später als reiche Landbesitzerin herausstellt; oder von dem “Fremden in der Nacht”, der sich als Sitznachbar im Flugzeug als gesuchter Verbrecher outet etc. - es geht immer um subtile See-lenanalysen, die man fasziniert Stäubchen für Stäubchen einsaugt und auch wegen ihres klaren und einfachen Schreibstils nicht mehr loslassen kann. Wer sich an den Erzählungen der großen deutschen Autoren des 19. Jh. erfreut, wird auch Schlink begeistert lesen müssen.


**NEU** Raymond Khoury : Menetekel
Typisch US-amerikanischer Thriller über Religionswahn und Macht.

In der Antarktis erscheint eine unerklärliche Lichtkugel. Übernatürlich oder von Menschen gemacht? Ein Fernsehteam jagt dem Zeichen bis nach Ägypten hinterher. Dort zeichnet der berühmte Pater Hieronymus es seit Monaten schon an die Wand seiner Zelle. Als Aufruhr droht, verhilft ihnen ein US-amerikanischer Prediger zur Flucht in die USA. Gleichzeitig ist der ehemalige Autodieb Matt auf der Suche nach seinem für tot erklärten Bruder, einem Computerspezialisten, der an einem gehei-men Projekt mitarbeitete. Hat er etwas mit der Erscheinung zu tun? - In seinem neusten Thriller nimmt Khoury die US-amerikanischen Fernsehprediger und die Verquickung von Religion und Politik aufs Korn. Am Ende steht der Aufruf zu religiöser Toleranz. Neben der originellen, stellenweise allerdings blutigen Story bleiben die handelnden Personen blass und eindimensional. Trotzdem spannend und genau das Richtige für Thriller-Fans.


Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.




03. Kalenderwoche 2011

**NEU** Jonathan Franzen: Freiheit
Roman über das Auseinanderbrechen einer amerikanischen Mittelschichtsfamilie.

Im Mittelpunkt des Romans steht das Leben von Patty Emerson und Walter Berglund, die sich an der Universität von Minnesota kennenlernen. Obwohl Patty sich eigentlich zu Walters Freund, dem Musiker Richard, hingezogen fühlt, heiratet sie Walter und bekommt mit ihm zwei Kinder. Die Ehe scheitert. Walter und Patty gehen getrennte Wege und finden doch wieder zueinander. Jonathan Franzen nähert sich seinen Figuren mit dem Seziermesser und legt ihre Ängste und Sehnsüchte frei. Dabei leuchtet er so ziemlich jeden Winkel ihrer Gedanken aus, und dokumentiert ihr Scheitern an den eigenen Ansprüchen. - Ein Roman, der an die Tradition des Familienepos anknüpft, in dem eine Gesellschaft sich in einer Vielzahl von Charakteren über eine längere Zeitspanne hinweg wi-derspiegelt. Bei aller Meisterschaft, mit der Franzen sein Seelen-Panorama entwickelt, dann und wann wünscht man sich eine dunkle Ecke, ein Geheimnis, das bleibt und die Figuren ein wenig un-berechenbarer macht. Dennoch: sehr lesenswert.


**NEU** Ralf Isau: Messias
Ein irisches Dorf, in dem Jesus leibhaftig vom Kreuz gestiegen sein soll - ein heikler Fall für den vatikanischen Sonderermittler in Sachen Wunder.

Die Bewohner des irischen Dorfes Graiguenamanagh (sprich: Grägnämanah) sind in Sachen Wun-der einiges gewohnt, doch als der Gekreuzigte leibhaftig vom alten Silberkreuz herabsteigt und mit den typische Wundmalen vor dem Altar liegt, bricht Hysterie aus. Das ruft den vatikanischen Son-derermittler Hester McAteer auf den Plan. Was hat das vermeintliche Wunder mit den beiden zeit-gleichen Morden zu tun? McAteer ist skeptisch und muss nicht nur das Rätsel um die Geschehnisse in der Abtei lösen, auch seine eigene Vergangenheit holt ihn mit Macht ein. - Das ist schon ein Kirchenkrimi der besonderen Art, den Isau hier aus der Taufe gehoben hat. Nicht nur das Gedan-kenspiel, wie ein wiederkehrender Jesus unsere heutige Welt erleben würde, auch der Blick auf eine Gesellschaft, die, durch die Medien angestachelt, völlig hysterisch reagiert, ist reizvoll. Da braucht es letztendlich keine metaphysischen Vorgänge, um wahre Spannung zu erzeugen. Und trotz aller kirchenkritischen Äußerungen und Klischees verletzt Isau die Gefühle von Gläubigen nicht, sondern tritt für Toleranz und Offenheit ein. Ein spannender Thriller für Leser, die sich um der Spannung willen nicht an manchen Unwahrscheinlichkeiten und Ungereimtheiten stören.

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.



24. Kalenderwoche 2010


**NEU** Adam Haslett: Union Atlantic
Ein skrupelloser Finanzjongleur verursacht eine der größten Bankenkrisen der USA.

Doug Fanning arbeitet für “Union Atlantic”, eine frühere Privatbank, die zu einem der vier größten Finanzkonzerne des Landes geworden ist. Er hat sich eine Luxus-Villa in einem Vorort Bostons bauen lassen. So leer wie in seinem Haus sieht es auch in Dougs Leben aus: niemand und nichts, wofür es sich zu leben lohnt. Seine Beteiligung an den Ereignissen 1988 im Iran-Irak-Krieg an Bord eines US-Kreuzers, der ein iranisches Passagierflugzeug abschoss, geht ihm noch nach, doch hat er diese Regungen mit Arroganz zugeschüttet. Er empfindet nur Verachtung für Menschen; dies zeigt sich insbesondere in seinem Verhältnis zu dem siebzehnjährigen Nate, der ihn bewundert, dessen Verliebtheit ihn abstößt, mit dem er aber dennoch Sex hat. Nate gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich mit Drogen zudröhnt und auf Sinnsuche ist. Dougs Gegenspielerin ist seine Nachbarin Charlotte Graves, Geschichtslehrerin im Ruhestand mit leicht fanatischer Freude an Predigten über die Lehren der Vergangenheit. Die widerspenstige alte Dame lebt mit ihren Hunden in einem alten Haus, das ihrer Familie einst als Feriensitz diente. Sie verteidigt das Revier ihrer Kindheit, eine Bastion der alten Welt, mit Zähnen und Klauen. Beide sind Einsame, der eine lebt in der Gegenwart, die andere in der Vergangenheit. Der Roman spielt 2002 in Boston und wurde kurz vor der großen Bankenkrise fertig gestellt: die Realität hat hier die Fiktion überholt. Leser, die sich für die Anfälligkeit des internationalen Finanzsystems interessieren, werden hier gut unterhalten.

Für alle Twilight-Fans:
Mit dem aktuellsten Titel von Stephenie Meyer, liegt uns nun die komplette Buchserie vor:

**NEU** Stephenie Meyer: Biss zum ersten Sonnenstrahl
Das kurze zweite Leben der Bree Tanner

Hauptfigur des Romans ist Bree Tanner, ein Vampirmädchen, dem “Bis(s)”-Leser im dritten Band, “Bis(s) zum Abendrot”, bereits begegnet sind. Sie schildert ihre Reise mit einer Armee neugeborener Vampire, die aufgebrochen ist, um Bella Swann und die Cullens zu vernichten. Das neue Buch öffnet einen Blick auf die dunkle Seite von Bellas und Edwards Welt.

Weitere Titel aus dieser Serie:

  • Biss zum Morgengrauen
  • Biss zur Mittagsstunde
  • Biss zum Abendrot
  • Biss zum Ende der Nacht

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen das Team der Schlossmarktbücherei.



22. Kalenderwoche 2010


**NEU** Rüdiger Safranski: Goethe & Schiller – Geschichte einer Freundschaft
“Glückliches Ereignis”: Rüdiger Safranskis hochanregendes Buch über Ideal und Leben der klassischen Dichterfreundschaft.

Die Idee der Freundschaft hatte um 1800 ihre Blütezeit und in Goethe und Schiller ihre klassischen Repräsentanten. Doch der Schulterschluss des Dichterduos, wie ihn das berühmte Weimarer Denkmal zeigt, ist hart erkämpft und nicht trotz, sondern geradezu wegen eklatanter Gegensätze behauptet worden. Rüdiger Safranski, als Biograph Schillers und der romantischen Epoche glänzend ausgewiesen, hat die Geschichte der Dichterfreundschaft von der ersten Begegnung 1779 an der württembergischen Karlsschule bis zu “Schillers zweiter Karriere im Geiste Goethes” mit geschickter Hand rekonstruiert. Der Leser erfährt auf stets spannende und anregende Weise, wie die von Goethe 1817 rückblickend ein “glückliches Ereignis” genannte Dichterfreundschaft wechselseitig von den Differenzen profitiert. Hier der Berufsschriftsteller Schiller, der nach oben heiratete, dort der Staatsbeamte Goethe mit dem zehnfachen Einkommen, der eine Verbindung nach unten wagte, hier der Idealist mit zu wenig und dort der Realist mit zu viel Welt, hier das Evangelium der Freiheit und die Idee der ästhetischen Erziehung, dort die Rechte der Natur und die Praxis geselliger Bildung: Schiller wie Goethe markieren in ihrer gemeinsamen Arbeit an Zeitschriften, an den Xenien, an Balladen, mit Theaterprojekten, nicht zuletzt auch in ihren Briefen und in den zahlreichen Gesprächen in Jena und Weimar, bei denen manchmal so laut gelacht wurde, dass Schillers Frau nicht schlafen konnte, den Höhepunkt der neuzeitlichen deutschen Geistesgeschichte. Rüdiger Saf-ranskis Doppelbiographie zeigt, wie das möglich wurde, und verschweigt im Übrigen auch die klei-nen Schatten und unglücklichen Nebenaffären (z.B. mit den Romantikern) nicht. - Sehr empfeh-lenswerte Lektüre!


**NEU** Richard Dübell: Die Wächter der Teufelsbibel
Historischer Roman um den Codex Gigas, die Teufelsbibel.

Nach dem Tod Kaiser Rudolphs II. 1612 wird aus seiner Schatzkammer eine als Teufelsbibel be-kannte Abschrift der Bibel aus dem Mittelalter entwendet, die ein Mönch mit Hilfe des Teufels ge-schrieben haben soll. Diese Bibel ist eng verbunden mit dem Leben Andrej von Langenfels. Seine Eltern wurden brutal von einem Mönch ermordet. Er konnte fliehen und nimmt sich vor, das Ge-heimnis des wütenden Mönches und seiner Mitbrüder zu lüften. Dabei kommt er hinter das todbrin-gende Geheimnis der Teufelsbibel, die er nach der Plünderung des Hradschins an sich bringen will. Zusammen mit seinem Freund Cyprian macht er sich ans Werk; beide bringen dabei ihre Familien in große Gefahr. - Vor dem historischen Hintergrund des bevorstehenden Dreißigjährigen Krieges schreibt Dübell einen gut lesbaren historischen Roman mit rasenden Mönchen, vielfältigen Ver-schwörungen, Intrigen und ermordeten Päpsten. Die Teufelsbibel erweist sich als wahrhaft teufli-sches Werk - und Dübells Roman als gute Unterhaltung.

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.

Ab sofort stehen auch neue DVD´s zur Ausleihe bereit, z.B.:

  • Hitler – Ein Leben
  • Die Chroniken von Erdsee
  • Die Geheimnisse der Spiderwicks
  • Gespensterjäger GmbH
  • Vorstadtkrokodile
  • Wallace & Gromit – Auf Leben und Brot
  • Der Brief für den König
  • House Party II
  • Interview mit einem Vampir
  • Mogadischou
  • Avanti, Avanit
  • Bad Boys II
  • Bruce Allmächtig
  • Und dann kam Polly
  • Bram Stoker´s Dracula
  • Willkommen bei den Schti´s
  • Der Baader-Meinhof Komplex
  • Der Diamantencop
  • Gran Torino
  • u.a.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen das Team der Schlossmarktbücherei.



20. Kalenderwoche 2010


Für unsere Hobbköchinnen und –köche haben wir wieder eine interessante Reihe Kochbücher zur Ausleihe bereit:

  • Tapas – Spanische Köstlichkeiten neu entdecken
  • Kürbis & Co. – Überraschende Rezeptideen
  • Leckere Rezeptideen zum Frühstück
  • Leckere Rezeptideen für ein gelungenes Dinner
  • Leckere Rezeptideen für Snacks
  • Leckere Rezeptideen für Süßes

Außerdem haben wir neu für alle Globetrotter eine DVD-Reihe mit Reiseberichten im Programm, z.B.:

  • Kalahari – Unterwegs mit den letzten Buschmännern
  • Eastern & Oriantal Express – Exotische und luxuriöse Zugreisen in Asien
  • Road from Mandalay – Mit dem Schiff durch Myanmar
  • Lofoten – Faszinierende Inselwelt im hohen Norden
  • Desert Express Namibia – Faszinierende Bahnreisen durch Namibia
  • Shan State Express – Bahnreise von Mandalay nach Lashio
  • Hurtigruten – Schriffsreise entlang der norwegischen Küste
  • Lijian River Cruise – China´s prachtvolle Natur und Kultur
  • River Kwai – Reise entlang der „Todesbahn“
  • Shekawati – Alte Karawanenstraße durch Rajasthan

Die vorgestellten Bücher und DVD´s sind ab sofort entleihbar.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen das Team der Schlossmarktbücherei.



17. Kalenderwoche 2010


**NEU** Paulo Coelho: Der Sieger bleibt allein
Coelho taucht tief in die Welt der Stars und Sternchen ein und erzählt, wie das Streben nach Macht die Welt zerstört.

Der Roman, 2009 in Deutschland erschienen, spielt in der mondänen Welt der Filmgrößen, der Stars und Sternchen, der Models und Produzenten. Die Hauptpersonen: Igor, ein skrupelloser russischer Millionär, Hamid, ein aus dem Nahen Osten stammender Modezar, Gabriela, eine amerikanische Schauspielerin, und Jasmine, ein Modell auf dem Weg nach oben. Die Geschichte: Igor kann es nicht ertragen, dass sich seine Frau Ewa von ihm getrennt hat und mit dem Modemacher Hamid lebt. Er reist nach Cannes, wo sich das Paar während des Festivals aufhält. Kaltblütig geht Igor seinen zerstörerischen Weg, besessen von der Idee, Ewa seine Macht zu beweisen und sie wieder für sich zu gewinnen. Coelho hat für seinen Roman fleißig in der Film- und Modebranche recherchiert und bietet die Ergebnisse teils in anschaulicher, oft aber auch in ermüdender Weise dar. Spannend sind die Passagen, in denen Coelho den Personen ein Gesicht durch erzählerische Darstellung und Dialoge gibt, etwa wenn er den Weg Hamids aus ärmlichen Verhältnissen zum in-ternationalen Star beschreibt. Schwach ist er, wenn er seine angelesenen Hintergrundinformationen zur Film- und Modeindustrie referiert. Seine Botschaft: “Wir ersticken an unseren Lügen; wissen-schaftlicher Fortschritt gilt den meisten mehr als spirituelle Werte; wir tun ständig Dinge, von denen die Gesellschaft behauptet, sie seien wichtig, und unsere Seele darbt dabei”. (S. 142) Der Roman ist ein Buch über die Macht und Moral. Sein Thema ist das seiner früheren Romane: Die Träume der Menschen. In diesem Roman zeigt der Autor die exoterische Seite des Lebens: wie das Streben nach Macht, Reichtum und Ruhm sowie der Wille, zur “Superklasse” zu gehören, die Welt zerstören. Nur einer kann in diesem System der Sieger sein, aber, das sagt schon programmatisch der Titel: “Der Sieger bleibt allein”. Empfohlen.


**NEU** Andrea Maria Schenkel: Tannöd
Die grausame Ermordung aller Bewohner eines Einödhofes - absolut spannend und litera-risch äußerst geschickt in Szene gesetzt.

Auf einem einsam gelegenen Bauernhof wird Mitte der 50er Jahre eine ganze Familie, Eltern, Kinder und die Dienstmagd auf ausgesprochen mysteriöse und v.a. brutale Weise ums Leben gebracht. Das Verbrechen bleibt noch einige Tage verborgen, bis es den Dorfbewohnern seltsam vorkommt, dass niemand mehr aus Tannöd in die Schule oder zur Kirche kommt. Das Geschehen rund um diese Bluttat bildet, hautnah und minutiös geschildert, den Kern diese Krimis. Aus der Sicht jeder einzelnen Person, Opfer wie Täter, Zeitzeugen wie Ermittler setzt sich, gekonnt und spannend aufbereitet, ein schauerliches Puzzle menschlicher Abgründe zusammen. - Angelehnt an die bis heute nicht aufgeklärte Mordtat von Hinterkeifeck am Anfang des vergangenen Jahrhunderts, hat die Autorin mit viel Gespür für Spannungsmomente einen, einem Protokoll ähnlichen Krimi verfasst. - Sehr zu empfehlen.

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen das Team der Schlossmarktbücherei.



16. Kalenderwoche 2010


**NEU** Martin Suter: Der Koch
Der tamilische Asylbewerber Maravan findet in der Schweiz als Koch ayurvedischer Speisen mühevoll sein Auskommen.

Der tamilische Asylbewerber Maravan verliert seine Hilfskraftstelle in einem Schweizer Nobelrestau-rant und ist fortan arbeitslos, genauso wie die Kellnerin Andrea. Gemeinsam entwickeln sie die Idee eines speziellen Liebes-Caterings, denn Maravan ist ein begnadeter Koch und versteht es, mit seiner ayurvedischen Molekularküche höchst aphrodisierende Speisen zu zaubern. Neben der Neugier auf die kapriziösen kulinarischen Reize (Rezepte im Anhang) weckt das Buch auf eine angenehm unaufdringliche Art das Interesse an der Bürgerkriegssituation in Sri Lanka und an der tamilischen Kultur. Auch das quasi mafiöse Rekrutierungsverhalten der “Tamil Tigers”, einer Guerrilla-Organisation aus Sri Lanka, - gerade auch in der Diaspora - und die unanständigen Machenschaften der Waffen- und Finanzlobby sind ein durchgängig ernsthaft behandeltes, aber nicht moralistisch präsentiertes Thema. Große Authentizität erhält das Buch durch die wiederholten Einblendungen zeitaktueller internationaler Vorgänge (Zeitraum 2008-2009), v.a. aus dem Bereich der Finanzkrise. Das höchst ungewöhnliche Buch verknüpft angenehme Unterhaltung mit kritischer politischer Aufklärung. Sehr empfohlen!


**NEU** Nick Hornby: Juliet, Naked
Amüsante Geschichte über Fan-Wahn und Lebenskrisen.

Der musikbesessene Dozent Duncan lebt in einer nordenglischen Küstenstadt; sein Lebensinhalt besteht darin, alles über einen obskuren Rock-Sänger namens Tucker Rowe herauszufinden und sich im Internet mit anderen Fans auszutauschen. Er gehört zu jenen Männern, die seit Jahren auf der Stelle treten, deren Leben um die immer gleichen Vorlieben oder Gewohnheiten kreist und die eine beunruhigende Neigung zur Realitätsflucht eint. Sein zwanghaftes männliches Fan-Verhalten lässt ihn den immer dringender werdenden Kinderwunsch seiner Langzeit-Freundin Annie ignorieren und mit ihr statt dessen eine “Pilgertour” zu den wichtigen Orten seines Idols machen. Als plötzlich - nach zwanzig Jahren Schweigen - ein neues Album des Rockstars auftaucht, schreibt die in-zwischen durch Duncans Fixiertheit und Unentschiedenheit genervte Annie einen Verriss im Internet. Und da passiert das, was Duncan sich vergeblich gewünscht hatte: Tucker nimmt Kontakt zu Annie auf, die sich prompt in den alternden Musiker verliebt, der sowohl als Vater als auch als Ehemann mehrfach versagt hat. Annie hat genug von ihrem ereignislosen Leben; sie fühlt, dass sie ihr Leben vergeudet hat. Verblüfft stellt sie im Rückblick auf ihr wohltemperiertes Leben fest: Nicht an Gelegenheiten fehlte es ihr, sondern an der Entschlossenheit, sie zu ergreifen. - Wer auf witzige Weise eine Geschichte über den Fan-Wahn, über Pop-Musik und über Lebenskrisen lesen will, wird mit Hornbys neuem Roman, der an seinen ersten “High Fidelity” anschließt, gut unterhalten. Der Autor versteht es bestens, die Schwächen und Neurosen der Generation um die vierzig punktgenau zu beschreiben mit der richtigen Mischung aus Witz und Tiefsinn. Empfohlen.

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen das Team der Schlossmarktbücherei.



14. Kalenderwoche 2010


**NEU** Colum McCann: Die große Welt
Rund um den Balanceakt eines Seiltänzers am World Trade Center entsteht ein vielfarbiges Mosaik unterschiedlichster Lebensschicksale.

Am 7. August 1974 spannt Philippe Petit zwischen den Twin Towers in New York ein Seil und be-ginnt sich darauf zu bewegen. Viele werden auf den Mann in schwindelerregender Höhe aufmerk-sam. Für den vorliegenden Roman stellt dieses Ereignis den Kristallisationspunkt dar, um den sich Biographien verschiedenster Art drehen und sich auf seltsame Weise immer wieder berühren. Da ist Corrigan, der ganz in die Nachfolge Jesu eintreten will, sich mönchischen Regeln unterwirft und sich im Dienst radikaler Nächstenliebe aufarbeitet. Zu seinem Umfeld gehören Prostituierte, die immer wieder bei ihm Unterschlupf finden und um die er sich kümmert. Dann ist da noch sein Bruder, der anfangs von dieser Selbstlosigkeit abgestoßen, später aber immer mehr zum Bewunderer und Unterstützer wird. Als Corrigan sich verliebt, bekommt er größte Gewissensnöte. Bevor er jedoch seinen Idealen abschwören und ein gemeinsames Leben mit seiner Geliebten beginnen könnte, stirbt er zusammen mit einer Prostituierten bei einem Autounfall. Deren Kinder werden nun von einer Frau adoptiert, die sich regelmäßig mit anderen Müttern aus allen Schichten der Bevölkerung trifft, um den Tod ihrer in Vietnam gefallenen Söhne zu verarbeiten. Als Jaslyn, die adoptierte Tochter der Prostituierten erwachsen ist und Jahre später den Kontakt zu einigen Personen von früher sucht, wird ihr bewusst, wie fremd und vergangen diese Zeit für alle Beteiligten geworden ist. - Ein einfühlsamer, ruhig fließender Roman, der Personen und deren Schicksale aus verschiedenen Per-spektiven beleuchtet und in ihren Biographien zueinander in Beziehung setzt.


**NEU** Stephan Brüggenthies : Der geheimnislose Junge
Ein Kölner Kommissar will das Geheimnis eines verschwundenen Jungen lösen.

Der 15-jährige Timo Lindner ist verschwunden. Je mehr Zbigniew Meier, Hauptkommissar der Köl-ner City-Polizei, über die im Scheitern begriffene Ehe der vermögenden Eltern und den von Mutter Tonia überbehüteten Schüler eines Kölner Elitegymnasiums in Erfahrung bringt, desto sicherer ist er, dass Timo einfach abgehauen ist. Konkrete Spuren zu Timo finden die Ermittler aber nicht, nur ein Video der Lindners von einem Urlaub in Houlgate in der Normandie und einen verschlüsselten Text von Timo. Als in Italien der Torso eines unbekannten Jungen gefunden wird, der vor seinem Tod auf grausame Art missbraucht wurde, fliegt Zbigniew Meier nach Turin. Der tote Junge ist nicht Timo, eines aber erregt die Aufmerksamkeit des Kommissars: Auf dem Rücken des Toten ist eine Karte von Frankreich aufgezeichnet. Zbigniew Meier macht sich auf den Weg nach Houlgate und stellt Nachforschungen nach Timo an. Als es ihm gelingt, den Code des Textes von Timo zu ent-schlüsseln, kommt er einer Päderasten-Organisation auf die Spur. - Stephan Brüggenthies packen-der erster Fall mit dem Kölner Kommissar Zbigniew Meier lässt sich vielversprechend an. Der Autor, ein passabler Erzähler, der immer nahe am Leben ist, schafft sich mit dem Genre des Thrillers den idealen Rahmen für das, was er über seine Figuren erzählen will. Für Thriller-Freunde eine anspre-chende Lektüre mit gutem Unterhaltungswert. (Nominiert für den Glauserpreis 2010)

Für unsere Hobbyköchinnen und –köche haben wir wieder einige interessante Kochbücher im Be-stand, z.B.:

Asia Küche
Schokolade
Mediterrane Küche
Türkische Küche
Vegetarische Gerichte
100-Kalorien-Küche

u.a.

Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.



12. Kalenderwoche 2010


**NEU** Gunnar Gunnarsson: Schwarze Vögel
Grandioser Roman über eine schuldhafte Liebe im Island des Jahres 1802.

Den bedeutendsten Roman des hierzulande zu Unrecht wenig bekannten isländischen Autors Gunnar Gunnarsson (1889-1975) sollte man wohl nicht “Krimi” nennen, obwohl er auf einem historischen Kriminalfall beruht. Ein ehebrecherisches Paar wurde 1802 wegen gemeinschaftlichen Mordes am jeweiligen Ehegatten hingerichtet. Aber es geht dem Autor weniger um die Darstellung der Ausführung oder Aufdeckung dieser Morde, wie man das bei einem Kriminalroman erwarten würde. Der Roman handelt v.a. von der tragischen Verstrickung zweier Menschen, von ihrer unerfüllbaren Liebe und ihrem schuldhaften Frevel, von der Gnadenlosigkeit irdischer Gerichtsbarkeit, von der Einsicht in die eigene Schuld und von der Bereitschaft zur Sühne. Es wird dem Leser vom fiktiven Berichterstatter, dem an den tragischen Vorgängen nicht ganz unbeteiligten Seelsorger des Ortes, in erschütternder Weise vor Augen geführt, wie schmal der Grat zwischen Opfer und Täter ist und wie viel menschliche Größe sich bei aller Schuld bei beiden Tätern zeigt. Im Kern ist es ein Buch, das die Abgründe menschlicher Existenz ausloten will. Die isländische Natur wird dabei in grandioser Weise Bühne und Handlungselement und die eindringliche Schilderung der Lebensumstände der Fischer und Bauern in den Westfjorden macht den Roman fast zu einem historischen Dokument. Bemerkenswert ist die Sprache, der sich der Autor bedient. Sie spiegelt in ihrer teils gewollt umständlichen Diktion, teils spröden Kargheit Denken und Lebensgefühl der Beteiligten, zugleich ist sie oft von eindringlicher Bildhaftigkeit. Man muss dem Reclam Verlag dankbar sein, dass er 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses Werkes für eine neue, offenbar hervorragend übersetzte Auflage sorgt. Dieser tiefgründige, packend erzählte und zum Nachdenken anregende Roman sollte weite Verbreitung finden!


**NEU** Gail Jones: Perdita
Ein Mädchen, das im australischen Busch aufwächst, verliert nach einem Mord die Sprache.

Eine wahnsinnige Mutter, die Shakespeare zitiert; ein verbitterter Vater; eine bescheidene Behausung im Busch Nordwest-Australiens; hätte Perdita nicht ihre Freunde unter Aborigines, eine einsamere Kindheit könnte man sich nicht vorstellen. Eines Tages wird Perditas Vater erstochen aufgefunden. Die eingeborene Freundin des Mädchens wird deswegen verhaftet und in eine Erziehungsanstalt im Süden gebracht. Perdita verstummt nahezu. Wegen der drohenden japanischen Invasion im Zweiten Weltkrieg werden einige Zeit später die nördlichen Landstriche evakuiert. Perdita kommt zu einer Familie nach Perth. Dort trifft sie ihren Nachbarsjungen wieder und darf auch Mary besuchen. Und findet einen verständnisvollen Psychiater, der ihr langsam die Welt des Sprechens wieder zugänglich macht. Allerdings kehrt damit auch ihre Erinnerung an den Tod des Vaters zurück. Perdita muss erkennen, dass sie zutiefst in Marys Schuld steht. - Zwei Gedankenstränge durchziehen den Roman: Wie die Autorin selbst sagt, der literarische Versuch der Wiedergutmachung der jahrzehntelangen unmenschlichen Behandlung der Aborigines durch die Regierung und der Prozess im Innenleben eines Kindes, das mit großer Schuld fertig werden muss. Erinnerungsverlust steht neben Sprachverlust und damit sozialer Isolation. Die Autorin zeigt die unheilvolle Spirale bis zur Gewalteskalation und den schwierigen Lebensweg bis zum Erkennen der Schuld. Eine tröstliche Nuance hat der Gedanke, dass das Kind Schlimmstes vergessen kann, auch wenn es dafür den Preis des Verstummens zahlen muss. Lesenswert!



11. Kalenderwoche 2010


**NEU** H. J. Fischer: Mistero
Vielschichtiger Vatikan-Krimi um Macht, Veränderung und Weltoffenheit.

Wer veranlasste 1848 die Ermordung des päpstlichen Ministerpräsidenten Pellegrino Rossi? Warum starb der weltoffene Erzbischof Mondedieu direkt auf der Grenze zwischen Vatikanstaat und Italien? Wer ist für den Tod von Miro Caldone verantwortlich, der sich mit seinen dubiosen Bankgeschäften die Finanzen des Vatikans vornahm? Diese Fragen verbinden Kommissar Sandiavolo (Namen sind in diesem Roman Programm), Monsignore Mefisto, Erzbischof Settimo, die römische Principessa de’ Flavie, die Israelin Judith Meir und den evangelischen Journalisten Martin Lumière miteinander. - Heinz-Joachim Fischer, seit 30 Jahren Italien- und Vatikankorrespondent der FAZ, lässt unterschiedliche Standpunkte aufeinandertreffen, schmiedet ungewöhnliche Bündnisse und lässt bedeutende Kirchenmänner zu Wort kommen. Thematisiert werden unter anderem Veränderungen in Kirche und Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg, Macht und Finanzpolitik sowie die Angst vor Reformen. Mit viel Freude am Schreiben stellt Fischer komplexe Zusammenhänge und widersprüchliche Ansichten dar, ohne sie zu bewerten und lässt so viel Raum für Diskussionen. Spitzfindige Dialoge verbinden sich mit kirchengeschichtlichem und -politischem Wissen und machen das wieder neu aufgelegte Buch (erstmals 1993) in dem “die weite Wirklichkeit des römischen Kosmos eingefangen ist” zu einem außergewöhnlichen Lesegenuss.


**NEU** Wolfgang Hohlbein: Die Chroniken der Elfen
Pia findet sich plötzlich in einer fantastischen Welt wieder, in der sie sich sonderbar zu Hause fühlt.

Pia ist in den Slums von Rio de Janeiro groß geworden und schlägt sich als Kleinkriminelle durch. Als ein sicherer Coup unerwartet fehlschlägt, wird sie von einem geheimnisvollen Mann in schwarzer Rüstung gerettet. Während sie noch darüber rätselt, wieso jemand im modernen Rio in einer mittelalterlichen Rüstung herumläuft, tauchen plötzlich neue Angreifer auf. Pia rettet sich und ihre Freundin Alica mit einer Flucht in die Slums, doch finden sie sich plötzlich in einem gar nicht mehr modernen Wirtshaus wieder. Sie sind in der fantastischen Welt WeißWald gelandet, die nach den verlustreichen Elfenkriegen seit Jahrhunderten vor sich hindämmert. Sonderbarerweise fühlt sich Pia in dieser Welt zu Hause und nicht nur, weil sie zu ihrer eigenen Überraschung die Sprache des Landes versteht. Ist sie wirklich die geheimnisvolle Elfenprinzessin Gaylen, die vor so vielen Jahren ihr Leben gab, um den Krieg zu beenden? Eine Prophezeiung sagt ihre Rückkehr voraus und damit ein Wiedererstarken der beinahe verschwundenen Elfenvölker. - Ein spannender Auftakt in einen neuen Fantasy-Zyklus aus der Feder von Wolfgang Hohlbein. Souverän zeichnet der Autor eine neue magische Welt, deren einzige Hoffnung wieder einmal ein moderner Mensch ist. Allen Fans des Genres gerne empfohlen!


Dan Brown: Illuminati
Die Illuminati, der legendäre Geheimbund von Wissenschaftlern und Freidenkern, steht im Zentrum dieses fesselnden Thrillers von Dan Brown. Mit Hilfe von entwendeter Antimaterie, gefährlicher als eine Atombombe, will die Gemeinschaft den Vatikan, Inbegriff der Kircheninstitution, endgültig vernichten...
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Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg
Kein Witz: Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, geht zum Grab des heiligen Jakob: 600 Kilometer durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela, und erlebt die außergewöhnliche Kraft einer Pilgerreise.Es ist ein sonniger Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und in St.-Jean-Pied-de-Port aufbricht...
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Dan Brown: Sakrileg. The Da Vinci Code
Robert Langdon, Symbolologe aus Harvard, befindet sich aus beruflichen Gründen in Paris, als er einen merkwürdigen Anruf erhält: Der Chefkurator des Louvre wurde mitten in der Nacht vor dem Gemälde der Mona Lisa ermordet aufgefunden. Langdon begibt sich zum Tatort und erkennt schon bald, dass der Tote durch eine Reihe von versteckten Hinweisen auf die Werke Leonardo da Vincis aufmerksam machen wollte...
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Senait G. Mehari: Feuerherz
Es sah nicht so aus, als wäre Senait ein langes Leben bestimmt: Ihre Mutter setzte das Neugeborene in einem Koffer aus. Ihr Vater fürchtete, seine Familie nicht mehr ernähren zu können, und gab seine kleine Tochter in eine Rebellenarmee. Als Kindersoldatin wäre Senait um ein Haar von einer Granate zerrissen worden. Ihre Kindheit war ein Albtraum. Dass sie ihn überlebte, grenzt an ein Wunder. Jetzt erzählt Senait ihre Geschichte...
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Simonetta Agnello Hornby: Die Mandelpflückerin
Bittersüßer Mandelduft und rauhe Landschaft, verfallende Palazzi und elegante Herren mit schwarzen Sonnenbrillen: das ist das Sizilien der Mennulara, einer armen Dienstmagd, die trotz Klugheit und Herzensbildung am starren Gesellschaftssystem zerbricht...
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Sandra Brown: Envy - Neid
Neid ist die zweite Todsünde – nach dem Hochmut. Doch im Gegensatz zum Hochmut kann Neid auch tödlich sein ... Der geheimnisumwitterte Autor Parker Evans plant seine Rache gegen einen Mann, der ihn vor Jahren töten wollte. Seine Waffen: sein neues Buch – und seine New Yorker Verlegerin Maris Matherly...
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Elmar Bereuter: Hexenhammer
Deutschland 15. Jahrhundert: Missernten und Hungersnöte. Der Inquisitor Heinrich Institoris weiß, dass das von den Hexen kommt, die sich mit dem Teufel verbündet haben und deshalb auf den Scheiterhaufen gehören. Institoris verfasst die berüchtigte Schrift Der Hexenhammer , eine verheerende Anleitung zur Hexenjagd...
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Hakan Nesser: Der Kommissar und das Schweigen
Kommissar Van Veeteren hat alles satt: die Polizeiarbeit, seine Exfrau und Serienmörder sowieso. Eigentlich möchte er am liebsten Urlaub machen, und er weiß auch schon wo: in Kreta – dorthin nämlich will auch die Frau mit dem kastanienbraunen Haar verreisen, die er heimlich verehrt. Da kommt ein Hilferuf von einem benachbarten Polizeirevier, den er nicht ignorieren kann, weil der dortige Polizeichef ihm einmal das Leben gerettet hat. Was zunächst als harmlose Schuldbegleichung aussieht, nimmt schon bald bedrohlichere Formen an...
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