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06. Kalenderwoche 2012
**NEU** Steve Sem-Sandberg: Die Elenden von Lódz
In seinem Roman über das jüdische Getto in Lodz stellt Steve Sem-Sandberg die Frage nach den Mechanismen der Unterdrückung, dem Moment, in dem die Anpassung unerträglich wird. Auch für einen Verräter wie den starken Mann des Gettos, den Judenältesten Mordechai Chaim Rumkowski. “Die Elenden von Lodz” ist ein einzigartiger Roman mit vielen Stimmen. Er porträtiert neben der zentralen Figur Rumkowskis das Leben zahlreicher Gettobewohner und gibt ihnen so einen Namen und ein Schicksal. “Wie ein Historiker beschwört Steve Sem-Sandberg die Vergangenheit herauf, wie ein Romancier erhöht er Geschichte ins Allgemeingültige. Ein dokumentarischer Roman, der auf grandiose Weise die Stärken dieses Genres aufzeigt.“ Ilija Trojanow Steve Sem-Sandberg wurde für die “Die Elenden von Lodz” mit dem schwedischen “Augusto Priset” ausgezeichnet, der dem Deutschen Buchpreis entspricht. Das Buchereignis des Jahres 2011
**NEU** Marc Levy: Die erste Nacht
Die temperamentvolle Archäologin Keira und der Astrophysiker Adrian sind einem der größ-ten Geheimnisse der Menschheit auf der Spur.
Die Archäologin Keira erhält ein im wahrsten Sinne des Wortes wunderbares Geschenk. Es handelt sich um ein 400 Mio. Jahre altes Amulett, das eines von fünf in alle Himmelsrichtungen zerstreuten Fragmente darstellt. Zusammen ergeben sie eine einzigartige Himmelsscheibe. Wären die Teile vereint, dann könnte das Geheimnis um den Ursprung der Menschheit aufgedeckt werden. Im ers-ten Band (“Am ersten Tag) führt die Suche Keira und den Astrophysiker Adrian nach China. Bei einem Mordanschlag versinken beide in den Tiefen des Gelben Flusses. Adrian wird gerettet, Keira bleibt verschwunden. Er hält sie für tot und fliegt tief traurig nach Hause. Zu Beginn des zweiten Bandes erhält Adrian den Hinweis, dass seine Geliebte noch am Leben ist. Sofort fliegt er nach China, wo sie sich tatsächlich aufhält. Es gelingt beiden, die Spuren der fehlenden Fragmente wieder aufzunehmen. Erneut trachtet man ihnen nach dem Leben. Die zwei Wissenschaftler verfolgen trotzdem ihren Traum, die Entstehung der Menschheit zu entschlüsseln. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, denn die Gegner werden immer gefährlicher. - Dieses Buch ist typisch für Marc Levy: gefühl- und phantasievoll, temporeich und abenteuerlich. Jedem, der seine Romane liebt, kann man seinen neuen Zweiteiler ans Herz legen.
Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.
05. Kalenderwoche 2012
**NEU** Preston & Child: Mission – Spiel auf Zeit
Ein neuer Ermittler betritt die Bühne: Gideon Crew, unerschrocken und brillant. Ideal für die brenzligen Fälle des EES.
Gideon Crew ist ein brillanter Atomwissenschaftler mit einem ungewöhnlichen Hobby: Er begeht Kunstdiebstähle! Nicht, um sich zu bereichern, sondern um hoch komplizierte Sicherheitssysteme auszutricksen. Und eigentlich war er immer der Meinung, keine Spuren zu hinterlassen - bis zu dem Tag, als er von EES rekrutiert wird, einer Firma, die auf ‘Fehleranalysen’ spezialisiert ist. Ihr Chef arbeitet mit der Regierung zusammen und weiß mehr über Crew, als er sich hätte träumen lassen. Und so schafft Eli Glinn es dann auch auf sehr ungewöhnliche Art und Weise, Crew zu seinem ers-ten Auftrag zu überreden. - Preston und Child schicken mit Crew einen neuen Protagonisten ins Rennen. Er ist charmant, eigenwillig und stur und hat - ähnlich wie ‘Agent Pendergast’ - das Potenzial für weitere Thriller. Die Story ist in gewohnter Preston/Child-Manier verfasst - also: Wer einen flotten, unterhaltsamen Action-Thriller mit einer sanften Prise Humor sucht, dürfte Gefallen und kurzweilige Unterhaltung finden.
**NEU** Jan Brandt: Gegen die Welt
Eine Jungendbande verbreitet in einem ostfriesischen Ort Angst und Schrecken.
In dem kleinen ostfriesischen Dorf Jericho gibt es kaum Abwechslung, nur der Tratsch sorgt für Un-terhaltung. Daniel Kuper verbündet sich von klein auf mit den falschen Freunden. Spätestens, als er von ihnen in ein Maisfeld gelockt und nach den eingesteckten Prügeln Blut überströmt nach Hause kommt, gilt er als Sonderling, weil er die entsetzliche Erfahrung nicht anders verarbeiten kann, als überall zu erzählen, er sei von Außerirdischen angegriffen worden. Schon bald gehört Daniel einer Gruppe von Jugendlichen an, die in ihrer Freizeit Drogen nimmt und ihren Frust durch Gewalttaten an anderen loszuwerden versucht. Daniel selbst gerät schließlich in diese Spirale der Gewalt, der er nicht mehr entfliehen kann. - Brandt thematisiert nicht nur die Gewaltprobleme von Jugendlichen, sondern auch die Blindheit der Erwachsenen gegenüber dieser Entwicklung. Die detaillierte langat-mige Beschreibung der Atmosphäre in Jericho trifft genau die Stimmung der betroffenen Jugendli-chen. Ein Roman, der auf Realismus setzt, ohne in der Gewaltdarstellung allzu deutlich zu werden. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2011 - Shortlist)
Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.
04. Kalenderwoche 2012
**NEU** Richard Dübell: Die Pforten der Ewigkeit
Der Aufruhr im Reich nach dem Tod Friedrich II. und die Verfolgung der letzten Albigenser sind der Rahmen für eine opulente Geschichte aus dem Mittelalter.
Auf dem Sterbebett hat der Stauferkaiser einem Vertrauten, dem jungen Ritter Hertwig von Staleberc, ein Geheimnis anvertraut, das dieser an eine bestimmte Persönlichkeit, die gerade in der terra sancta ist, weitertragen soll. Dazu reist er eher unbedarft ins Heilige Land, wo er in den ge-waltsamen Auseinandersetzungen nach einem gescheiterten Kreuzzug ums Leben kommt. Er stirbt in den Armen von Rogers de Bezers, dem Sohn eines der letzten Führer der Albigenser, die sich den Verfolgungen durch die Inquisition und mächtige Fürsten des Reiches entziehen konnten. Rogers macht sich mit zwei Gefährten auf nach Franken, der Herkunft des toten Ritters. In einem kleinen Ort im Steigerwald trifft er auf einige Nonnen, die sich dem Bau eines Klosters verschrieben haben. Rogers versteckt sich bei den Bauarbeitern vor seinen Verfolgern. Die resolute und gewitzte Oberin wird in aller Heimlichkeit seine Gefährtin und Geliebte. Aber er wird verraten und muss fliehen ... - Der Autor hat hier eine fulminante Geschichte geschrieben, die durchgehend fesselt, die spannend ist und auch lehrreich. Ein ausführliches Personenregister, unterteilt nach fiktiven und historischen Persönlichkeiten, übersichtliche mehrseitige Anmerkungen zu den historischen Ereignissen helfen dem Leser, sich in dem Geschehen besser zurechtzufinden. Es gibt eine ganze Reihe von sehr gut und glaubhaft dargestellten Protagonisten; die Schilderungen der Zustände im Reich während des Interregnums und der Geschichte der Albigenser (Katharer) sind bemerkenswert. Das Buch ist einer breiten, nicht nur geschichtlich interessierten Leserschaft empfohlen.
**NEU** John von Düffel: Goethe ruft an
Heiterer Roman über “Leichtschreiben” in der Lausitz und die Jagd nach der Formel für schriftstellerischen Erfolg.
Eines Tages klingelt das Telefon in der Berliner Altbauwohnung des Erzählers, der sich als Schrift-steller mehr schlecht als recht durchschlägt und “schon seit längerem an etwas Größerem” sitzt. Am anderen Ende ist sein erfolgreicher Kollege, den er respektvoll Goethe nennt. Goethe bittet ihn, die Leitung für den fünftägigen Kurs “Leichtschreiben” in einem Hotel in der Lausitz für ihn zu überneh-men. Der Erzähler sagt zu und macht sich mit Goethes Manuskript im Gepäck auf den Weg. Es kommt, wie es kommen muss: den Seminarbeginn verschläft er, das Manuskript verliert er und die Teilnehmer stellen sich als haushoch überlegen heraus. Einer von ihnen ist der Rezensent Schwamm, der einst eines seiner wenigen Werke in Grund und Boden herabwürdigte. Eine weitere Teilnehmerin, genannt Hedwig Courths-Mahler, setzt ihre weiblichen Waffen ein, um dem Erzähler das nicht mehr vorhandene Manuskript abzuschwatzen. Fräulein Rottenmeier, so genannt wegen ihrer gouvernantenhaften Art, nebst Gemahl Hermann komplettieren die illustre Runde. Nach teil-weise hitzigen Debatten über den ersten Satz im Roman, Leicht-, Tief- und Entfernungsschreiben, findet am dritten Tag eine denkwürdige Kahnfahrt statt, die für den Erzähler die Initialzündung ist. Wie ein Besessener beginnt er zu schreiben, um den Teilnehmern ein vorgebliches Goethemanu-skript präsentieren zu können. Er ist fast fertig, als Goethes Assistentin und mit ihr das verloren ge-glaubte Originalmanuskript auftauchen und für Aufregung sorgen. - John von Düffel findet sich in beiden hier präsentierten Schriftstellern wieder. Wie für die meisten Autoren bedeutet Schreiben ein stetes Auf und Ab zwischen der Angst vor dem Scheitern und der Euphorie bei einem jedoch nicht vorhersehbaren Erfolg. Ein heiterer Roman voller Sprachwitz. Gern empfohlen.
Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.
03. Kalenderwoche 2012
**NEU** Felix Wegener: Nichtschwimmer
Kurzweilig-amüsanter, teilweise überzogener Schicksalsbericht über einen 33-jährigen Mann, der auf der Höhe seiner Familienplanung erfährt, dass er unfruchtbar ist.
Felix ist 33 Jahre alt und besitzt “Nicht-Schwimmer”, wie er schmerzlich genau dann von seinem Urologen des Vertrauens erfahren muss, als er und seine Freundin Sonja beschlossen haben, eine Familie zu gründen. Nicht nur fühlt sich Felix dadurch in seiner Männlichkeit stark beschränkt, er gerät auch zunehmend unter Druck, denn Sonja will sich mit seiner Diagnose der Unfruchtbarkeit nicht von einem gemeinsamen Kind abhalten lassen. Viel erfährt Felix daraufhin über die unter-schiedlichsten Befruchtungsmöglichkeiten, die er so genau gar nicht wissen wollte, muss sein Prob-lem allerhand Ärzten und Nicht-Ärzten kund tun und sieht sich plötzlich mit einer hormonell vollge-pumpten Freundin zusammen, die er aus rein medizinischen Gründen heiraten soll ... - Ungewöhn-lich erscheint die Sicht, aus der Felix Wegener das Problem der Unfruchtbarkeit schildert. Daraus erwächst viel seiner Komik, die sich insbesondere auch aus so manchem amüsanten Gedanken-gang speist, die wohl nicht nur für weibliche Leser eine ganz neue Perspektive auf das Problem des unerfüllten Kinderwunsches lenkt. Leider enthält das Buch jedoch auch so manche Längen und Überzogenheiten, was die häufig erfrischend lebensnahe Schilderung hemmt. Dennoch ein kurz-weiliger, humorvoller Ausflug in die Gedankenwelt eines unfruchtbaren Mannes.
**NEU** Tim Binding: FIschnapping
Al Greenwood wird rehabilitiert und stiehlt den Koi-Karpfen des Inspektors, der ihn ins Ge-fängnis gebracht hat.
Al Greenwood erfährt, dass seine Frau den Mord an Al’s Tochter aus erster Ehe, Miranda, gestehen will. Für diesen Mord sitzt Al nun seit Jahren ein. Wieder auf freiem Fuß, gerät er in die Fänge von Michaela Rump. Sie hat Al dabei beobachtet, wie er vor Jahren jemanden von einer Klippe gestoßen hat. Damals hatte Al gedacht, es wäre seine Frau Audrey. Rump nutzt ihr Wissen, um Al zu erpressen. Er soll einen Koi-Karpfen stehlen. Al lässt sich darauf ein und erfährt schließlich, wen er seinerzeit getötet hat: die Mutter eines jungen Mannes, den er, Jahre zuvor, ebenfalls in die Tiefe gestürzt hat, aus Wut über ein verlorenes Scrabble-Spiel. Die Konsequenz, mit der Binding seine kuriose Handlung immer weiter treibt, ist beeindruckend. Dabei entstehen durchaus lebendige Figu-ren, die sich wie selbstverständlich in Bindings Welt bewegen. Man muss etwas für tiefschwarzen englischen Humor übrig haben, um dieses Buch zu mögen, das wie eine Mischung aus Agatha Christie und Monthy Python anmutet. Die Geschichte ist eine Fortsetzung von Bindings Roman ‘Cliffhanger’.
Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.
02. Kalenderwoche 2012
**NEU** Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Eine amüsante moderne Münchhausengeschichte, die in Schweden 2009 zum erfolgreichs-ten Buch des Jahres wurde.
Dem 100-jährigen, rüstigen und äußerst lebenslustigen Allen graut vor der bevorstehenden pompö-sen Geburtstagsfeier im Altersheim. Deshalb macht er sich kurzerhand aus dem Staub. Durch Zufall gelangt er in den Besitz eines ominösen Koffers voll Geld. Von nun an sind die Gangster, denen er den Koffer entwendet hat, und natürlich die schwedische Polizei hinter ihm her. Es beginnt eine turbulente, den Realitätssinn des Lesers auf höchst amüsante Weise strapazierende Flucht durch ganz Schweden. Da Allen mit dem gemopsten Geld äußerst großzügig umgeht, schließen sich ihm nach und nach mehrere mehr oder minder zwielichtige Gestalten an. Schließlich ist es sogar der Gangsterboss selbst, der mit von der Partie ist, ja sogar der Kommissar kann der Aussicht auf einen schönen Lebensabend in Bali am Ende nicht widerstehen. Dass zwei der Gangster auf höchst skur-rile Weise ums Leben kommen, kann die allgemeine Heiterkeit nicht stören. Dass es sich bei dem Helden der Geschichte um einen außergewöhnlichen Mann handelt, wird durch die nach und nach in Form von Rückblenden eingearbeitete Lebensgeschichte Allans klar. Und auch hier tut sich der Autor in seinem phantastischen Erfindungsreichtum keinen Zwang an. Hat doch Allan z.B. so wich-tige Politgrößen wie Franco, Mao Tse Tung, Churchill, Truman und sogar Stalin persönlich kennen-gelernt. Dass er als Selfmade-Sprengstoffexperte Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe behilflich ist und diese auch Stalin verschafft, ist Höhepunkt dieser dreisten Lügengeschichte, die in Schweden 2009 zum erfolgreichsten Buch des Jahres wurde.
**NEU** Kathy Reichs : Fahr zur Hölle
Eine in ein Fass einbetonierte Leiche und merkwürdige Ermittlungen des FBI fordern Temperance Brennans ganzes Können.
Auf der Mülldeponie neben der berühmten Rennstrecke in Charlotte, der Heimatstadt von Temperance Brennan (und Kathy Reichs), wird eine Leiche gefunden - einbetoniert in ein Fass. Nur einen Tag später setzt sich Wayne, ein Mitglied eines Rennteams, mit Tempe in Verbindung, der glaubt, dass diese Leiche eine Erklärung für das Verschwinden seiner Schwester Cindi vor Jahren bietet. Doch nachdem sich das FBI damals in die Ermittlungen eingemischt hatte, wuchs überra-schend schnell Gras über die Sache. “Durchgebrannt” lautet seitdem die offizielle, wenn auch un-glaubwürdige Erklärung. Als eine weitere Person vermisst gemeldet wird, die mit dem Fall in Zu-sammenhang gebracht werden kann, Wayne sich verfolgt fühlt und das FBI am Schauplatz des Geschehens auftaucht, wird auch Tempe hellhörig und fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln. Un-günstiger könnte der Zeitpunkt nicht sein, gerade jetzt, wo über 200.000 NASCAR-Fans und jede Menge Journalisten in Charlotte sind, um die Rennen zu genießen. - In Kathy Reichs’ 14. Buch über die Forensikerin Temperance Brennan geht es gewohnt spannend und aufregend zu Sache. Fans der Serie werden ihre Freude haben, alte Bekannte wie “Skinny” Slidell oder Pete und seine Barbie-Verlobte Summer wieder zu treffen - und genau diese Personen bringen, neben Tempes trockenem Humor, eine Menge Witz und Abwechslung in die Geschichte. Aber auch Neueinsteiger werden kaum Schwierigkeiten haben, sich in Tempes Welt rund um das forensische Labor und ihre Män-nergeschichten zurecht zu finden, denn Reichs versteht es hervorragend, genau die richtigen In-formationen an richtiger Stelle zu geben. Schenkt man den bereits erschienen Rezensionen Glau-ben, ist Kathy Reichs nach einigen schwächeren Büchern endlich wieder ein richtig fesselnder Krimi gelungen, der an ihre anfänglichen Glanzzeiten anknüpft. Ein toller Schmöker, der auf jeden Fall Lust auf mehr Tempe Brennan macht.
Die vorgestellten Bücher sind ab sofort entleihbar.
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